/ 17.06.2013
Wolfgang Börnsen (Bönstrup)
Vorbild mit kleinen Fehlern. Abgeordnete zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Sankt Augustin: Siegler 2001; 200 S.; 10,15 €; ISBN 3-87748-613-4Börnsen, als Abgeordneter eines Flächenwahlkreises seit 1987 für die schleswig-holsteinische CDU im Bundestag, bietet interessante Fakten, Gedanken und - mitunter durchaus kontroverse - Thesen zu praktisch allen Aspekten der Arbeit eines Abgeordneten. Er zeigt dabei, dass es in keinem Sinne nachteilig sein muss, wenn unser Parlament "mal voller und mal leerer, aber immer voller Lehrer" (Lambsdorff) ist: Zum einen macht sich Börnsen - neben der Aufklärung vieler anderer negativer Stereotypen - um das kritische Nachdenken über das ebenso dumme wie schädliche Klischee verdient, ein leeres Plenum deute auf faule Volksvertreter hin. Zum anderen bietet der gelernte Lehrer die nötigen Informationen auf ebenso lockere und humorvolle wie allgemeinverständliche Weise in didaktisch geschickt gegliederten kleinen Häppchen. Dass dabei auch die Eigendarstellung nicht zu kurz kommt und Börnsen mitunter auch sachlich über das Ziel hinausschießt, tut dem keinen Abbruch. Im Gegenteil: Der Autor vermittelt ja zum einen gerade Verständnis dafür, dass auch Abgeordnete nur Menschen mit den üblichen Schwächen sind, zum anderen ist sein Band auch nicht als Belehrung, sondern als höchst informative Anregung zum - durchaus kritischen - eigenen Nachdenken gemeint. Wissenschaftlich taugt das Buch als Primärquelle zur Arbeitsweise der Abgeordneten. Ferner ist es ein gelungenes Beispiel politischer Bildung, genauer: für einen konstruktiven Ansatz der Vermittlung politischer Arbeit an die Bevölkerungsmehrheit, die über ihr Parlament nachweislich nur mangelhaft informiert ist. Es ist sicher kein Zufall, dass neben dem Bundestagspräsidenten und seiner Amtsvorgängerin auch der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung ein knappes Vorwort beigesteuert hat: Das Taschenbuch ist prädestiniert für eine breite Verteilung durch die Bundeszentrale.
Inhaltsübersicht: I. Wolfgang Thierse: Das Grundgesetz ist lebendige Demokratie; II. Thomas Krüger: Politiker sind keine Abziehbilder; III. Abgeordnete - Vorbilder mit kleinen Fehlern - Versuch einer Beschreibung; IV. Beruf - Berufung oder einfach Job; V. Dem Volk verantwortlich - Aber wer ist das Volk?; VI. Moral in der Politik - Gibt's die noch?; VII. Im Plenum die Diäten verdienen?; VIII. Hinter den Kulissen; IX. Rückzug in die innere Emigration?; X. Debatten im Bundestag - Eine ganz spezielle Streitkultur; XI. Sich selbst nicht zu ernst nehmen; XII. Tue Gutes und rede darüber; XIII. Politik lebt von Visionen; XIV. Abgeordnete in Schulbüchern? - Fehlanzeige; XV. Völkerverständigung aus erster Hand; XVI. Vor dem Lohn die Mühe; XVII. Das A und O: den Wahlkreis pflegen; XVIII. Über 3000 Eingaben pro Jahr; XIX. Schlussbemerkung; XX. Rita Süssmuth: Vertrauen muss wieder wachsen.
Andreas Beckmann (AB)
M. A., Doktorand, Institut für Sozialwissenschaften, Bereich Politikwissenschaft, Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.331 | 2.321
Empfohlene Zitierweise: Andreas Beckmann, Rezension zu: Wolfgang Börnsen (Bönstrup): Vorbild mit kleinen Fehlern. Sankt Augustin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16065-vorbild-mit-kleinen-fehlern_18408, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18408
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M. A., Doktorand, Institut für Sozialwissenschaften, Bereich Politikwissenschaft, Universität Kiel.
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