/ 22.06.2013
Wolfgang Lauterbach / Thomas Druyen / Matthias Grundmann (Hrsg.)
Vermögen in Deutschland. Heterogenität und Verantwortung
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011; 224 S.; 29,95 €; ISBN 978-3-531-17689-5Die Reichen und Vermögenden sind eine gesellschaftliche Gruppe, deren Wahrnehmung in der Gesellschaft sehr unterschiedlich ist und über deren Lebensweise und ihre gesellschaftliche Bedeutung kaum gesicherte Erkenntnisse vorliegen. Aus diesem Grund widmen sich die Herausgeber seit einigen Jahren der Vermögensforschung. Sie knüpfen an ihre Vorarbeiten, u. a. an den 2009 erschienenen Tagungsband „Reichtum und Vermögen“ (siehe Buch-Nr. 36477) an. Ihre Forschungen gründen auf einem wertorientierten Verständnis, das Vermögen „als Qualität und Potenzial begreift, das in Anspruch genommen und verantwortlich erhalten werden sollte“ (7). Die Beiträge in diesem Band basieren auf der zwischen 2007 und 2009 durchgeführten Studie „Vermögen in Deutschland (ViD)“, einer empirischen Erhebung von 500 reichen Haushalten über die Entstehung, Verteilung und das gesellschaftliche Engagement von Reichen und Vermögenden. Demnach unterscheiden sich die Reichen hinsichtlich Bildungsniveau, beruflicher Stellung und persönlicher Eigenschaften deutlich von der Mittelschicht, bilden aber – mit Ausnahme der Superreichen (der sogenannten High Networth Individuals) – eine relativ homogene Gruppe. Neben sozialstrukturellen Analysen und der Definition von Reichtum geht es in den Beiträgen auch um psychologische sowie um vermögenskulturelle Aspekte und damit um die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung von Vermögenden. Die Ergebnisse der Studie weisen mit 80 Prozent eine im Unterschied zur Gesamtbevölkerung (36 Prozent) deutlich höhere Engagementbereitschaft auf und insgesamt zeigt sich in diesem Bereich eine größere Heterogenität. „Offensichtlich erhöht Reichtum die Wahrscheinlichkeit, sich gesellschaftlich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen“, fasst Druyen die Befunde zusammen. Dabei hält er es für „nicht wirklich überraschend, dass die Gruppe derjenigen, die in erster Linie durch Erbschaft, Börsengewinn und Immobilienbesitz reich wurden, mit einigem Abstand den geringsten Engagementanteil verzeichnen“ (218). Die Studie bildete den Auftakt für weitere vermögenskulturelle Erhebungen in anderen Ländern.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.35 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Wolfgang Lauterbach / Thomas Druyen / Matthias Grundmann (Hrsg.): Vermögen in Deutschland. Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33223-vermoegen-in-deutschland_39720, veröffentlicht am 24.03.2011.
Buch-Nr.: 39720
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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