/ 21.06.2013
Ulrich Maurer / Hans Modrow (Hrsg.)
Überholt wird links. Was kann, was will, was soll die Linkspartei?
Berlin: edition ost 2005; 232 S.; brosch., 12,90 €; ISBN 978-3-360-01068-1Die Hoffnung Modrows, die sozialistische Linke werde bei der Bundestagswahl drittstärkste politische Kraft, war nicht realistisch, sondern vergebens – selbst die FDP bekam mehr Wählerstimmen. Die meisten Autoren dieses Bandes meinen aber, dass es unbedingt zu einem Politikwechsel kommen sollte. Sie begründen dies mit den negativen Urteilen, zu denen sie über die Bundesrepublik auf der Basis der traditionellen sozialistischen Interpretationsmuster kommen. Und wofür steht im Gegensatz zu den „neoliberalen Sachzwangsprediger[n] schwarz-gelb-rot-grüner Couleur“ (141) eine sozialistische Partei heute? Eine Abkehr von der weit vorangeschrittenen radikalen Marktgesellschaft werde schwierig, schreibt Christa Luft. „Die Linke braucht überzeugende Konzepte, wie das natürliche Spannungsverhältnis zwischen betriebswirtschaftlicher Logik und gesamtgesellschaftlicher Vernunft im Interesse sozialer Gerechtigkeit, ökonomischer Effizienz und ökologischer Verträglichkeit“ (144) produktiv genutzt werden könne. Luft plädiert deshalb für die „Vergesellschaftungsoption zum Wohle der Allgemeinheit“ (147), nicht nur bei kommunalen Aufgaben wie dem Nahverkehr, sondern auch, wenn beispielsweise ein Chemiekonzern die Umwelt verseuche. Eine flächendeckende Vergesellschaftung des Eigentums an Produktionsmitteln sei nicht angestrebt. Erläuterungen zum rechtsstaatlichen Rahmen dieser Art von „Demokratisierung der Wirtschaft“ (136), wie Joachim Bischoff es nennt, fehlen allerdings. Kurz gefasst lässt sich feststellen, dass in diesem Band viel an der Bundesrepublik herumgenörgelt wird mit dem Nebeneffekt, den einst real in der DDR existierenden Sozialismus zu beschönigen. Es ist traurig, dass in diesen Chor der rückwärts gewandten Kapitalismuskritik der aus der DDR geflohene Schriftsteller Gerhard Zwerenz einstimmt und damit in einem Band mit dem langjährigen stellvertretenden Kulturminister der DDR Klaus Höpcke publiziert.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.331
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Ulrich Maurer / Hans Modrow (Hrsg.): Überholt wird links. Berlin: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26919-ueberholt-wird-links_31420, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 31420
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
CC-BY-NC-SA