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/ 21.06.2013
Massimo L. Salvadori

Fortschritt – die Zukunft einer Idee. Aus dem Italienischen von Rita Seuß

Berlin: Verlag Klaus Wagenbach 2008 (Politik bei Wagenbach); 125 S.; 9,90 €; ISBN 978-3-8031-2600-9
Der italiensche Politikwissenschaftler Salvadori sieht den seit der Aufklärung vorherrschenden Glauben an einen universellen Fortschritt der Menschheit im Schwinden begriffen. Dies ist für ihn umso erstaunlicher, da gegenwärtig auf technologischem Gebiet große Fortschritte erzielt würden. Paradoxerweise scheine dieser Fortschritt „kein Wunschtraum mehr zu sein, sondern nur ein verbrauchter Mythos aus einer anderen Zeit“ (7). Dieses Phänomen resultiert für ihn aus dem Versäumnis der Menschheit, ein solidarisches, harmonisches und funktionales Wachstum von Wissenschaft und Technik, Kultur, Politik sowie der Produktion und Distribution materieller Güter herzustellen. Er kritisiert, dass das universale Wissenspotenzial von Naturwissenschaft und Technik vorwiegend in den Dienst von Politik und Ökonomie gestellt werde und diese dann aber nicht in den Dienst eines gemeinsamen Fortschritts der Menschheit. So hätten sich wirtschaftliche Strategien herausgebildet, die nur bestimmte Teile der Welt begünstigten, andere aber zur Unterentwicklung verdammten. Salvadori sieht darin die Ursache für politische und militärische Konfrontationen. Er fragt, wohin sich die Menschheit entwickeln werde, wenn sie sich nicht mehr mit Möglichkeiten zur Abwehr jener Mechanismen, die sie an den Abgrund drängten, beschäftige. Mit seiner Reflektion zur Idee des Fortschritts will Salvadori Denkanstöße für ihre Neudefinition geben. Wegen seiner symbolischen Bedeutung für das 20. Jahrhundert erfährt dabei der Kommunismus in seiner Analyse eine besondere Aufmerksamkeit. In ihm spiegelt sich für Salvadori die Hoffnung der Unterdrückten auf eine gerechtere Welt, die dann später von der gesellschaftlichen Realität kommunistischer Systeme zerstört worden sei – eine Hoffnung, die er neu beleben will. Seinen Essay versteht er somit als einen eindringlichen Appell an die Gegenwart, der Idee des Fortschritts wieder einen tieferen Sinn zu geben.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.22.22 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Massimo L. Salvadori: Fortschritt – die Zukunft einer Idee. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29872-fortschritt--die-zukunft-einer-idee_35390, veröffentlicht am 13.01.2009. Buch-Nr.: 35390 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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