/ 21.06.2013
Michael Opoczynski
Die oder ich. Wie wir uns gegen die Übergriffe von Staat und Wirtschaft wehren können
München: Droemer 2009; 251 S.; 16,95 €; ISBN 978-3-426-27467-5In einem Stil, der zwischen Reportage, Ratgeber und Polemik changiert, schildert der Moderator des ZDF-Wirtschaftsmagazins WISO ohne besondere analytische Tiefe problematische Auswüchse des Zeitgeistes. Wachsende Preise, Stellenabbau, Einschnitte in die Sozialleistungen und das zunehmende Auseinanderdriften der Gesellschaft deutet der Autor als Indizien eines allerorten herrschenden Egoismus. Einleitend illustriert er dies an der großen Beliebtheit, derer sich die Fernsehsendung „Deutschland sucht den Superstar“ erfreut. Dort werde „antisoziales Verhalten als Normalität“ (10) dargestellt, da die Menschen so das Gefühl des Ausgeliefertseins gegenüber Autoritäten und Institutionen kompensieren könnten. Es folgen zahllose Beispiele, die einen Werteverfall belegen und zeigen, wie häufig Fehlverhalten im Wirtschafts- und Gesellschaftsleben anzutreffen ist: Preisabsprachen, Mobbing, Bespitzelung, Telefonmarketing etc. Der Autor konstatiert gar: „Es gibt eine konzertierte Aktion der Herrschenden“, „die Mittelschicht wird entsolidarisiert“ (15). Dass „Staat und Bürger einander nicht mehr vertrauen“ (143), liegt nach Ansicht Opoczynskis in einer Mischung aus bürokratischem Dirigismus und sicherheitspolitischer Verblendung begründet. Ob Vorratsdatenspeicherung oder Onlinedurchsuchung, der Autor führt aus, dass den Bürgern das Recht auf informationelle Selbstbestimmung zunehmend entzogen wird. Am Beispiel der jüngst diskutierten „Nacktscanner“ fürchtet der Autor: „Was technisch möglich ist, passiert auch“ (154). So fordert er also von den Menschen mehr Gemeinsinn. Durch eine Organisation der Bürger, nicht unbedingt in den traditionellen Gruppen der Parteien und Gewerkschaften, denn „die Zeiten haben sich geändert“ (245), sondern in Bürgervereinen und privaten Zirkeln sieht der Autor die Möglichkeit „der Gegenwehr“ (246). Zudem ist für ihn klar, dass „Ordnung sein muss“ (231) und er plädiert u. a., gegen Fensterputzer an Ampeln oder Graffiti-Sprayer eine Null-Toleranz-Strategie ins Feld zu führen, damit „ganze Stadtteile […] wieder lebenswert“ (233) werden könnten.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.35 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Michael Opoczynski: Die oder ich. München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30762-die-oder-ich_36550, veröffentlicht am 16.06.2009.
Buch-Nr.: 36550
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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