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/ 20.06.2013
Thilo Raufer

Die legitime Demokratie. Zur Begründung politischer Ordnung in der Bundesrepublik

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2005; 308 S.; kart., 39,90 €; ISBN 3-593-37894-9
Diss. Konstanz. – Auch in gefestigten Demokratien bedarf es der stetigen Vergewisserung dessen, was unter Demokratie zu verstehen ist, auch in ihnen ist ein Bemühen um Legitimation vonnöten, und zwar diesseits und jenseits aller wissenschaftlicher und theoretischer Diskussionen. Raufer geht es daher um die Alltagstheorien der Demokratie, um ihre Legitimationstypen. „Wie ist die Demokratiedebatte der Repräsentanten in der Bundesrepublik, d. h. der Alltag der Demokratie insgesamt strukturiert und was heißt in der Interpretation der Repräsentanten dann legitime Demokratie?“ Welches Verständnis von legitimer Demokratie besitzen die Akteure in der politischen Praxis selbst? Durch die systematische Rekonstruktion in Einzelfallanalysen soll ein empirisch ausgewiesener Begriff davon gewonnen werden, was legitime Demokratie für die Repräsentanten bedeutet, „es geht mithin [...] um die symbolische Selbstdeutung derjenigen, die Politik als ihr Alltagsgeschäft betreiben und die ständig damit beschäftigt sind, politische Ideen und Ordnungsvorstellungen zu entwickeln, politische Ziele festzulegen und eine bestehende politische Ordnung zu legitimieren und die dabei die legitime demokratische Ordnung (mit-)konstituieren“ (19). Im empirischen Teil werden daher sieben Debattenbeiträge aus der Gemeinsamen Verfassungskommission nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten 1990, die die plebiszitäre bzw. repräsentative Ausgestaltung der Demokratie in der Bundesrepublik reflektierten, analysiert. Sind diese Legitimationskonstruktionen, wie Raufer feststellt, auch „komplexe Verbindungen von Rationalitätsvorstellungen und Mythen, von Eigen- und Fremderfahrungen, von Ideen von Geschichte und Geschichtlichkeit, von anthropologischen Vorstellungen über die einzelnen Akteure und mehr oder weniger klaren Definitionen von Volkstypen usw.“ (267), spielen transzendentale Bezüge (im Gegensatz zur Präambel des Grundgesetzes) keine Rolle mehr, so bestätigen die Repräsentanten des Jahres 1990 doch das Diktum des Grundgesetzes, dass „das Problem der Demokratie die Demokratie ist“ (269).
Heinz-Werner Höffken (HÖ)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.32.325.41 Empfohlene Zitierweise: Heinz-Werner Höffken, Rezension zu: Thilo Raufer: Die legitime Demokratie. Frankfurt a. M./New York: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24720-die-legitime-demokratie_28564, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28564 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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