/ 20.06.2013
Wolfgang Engler
Unerhörte Freiheit. Arbeit und Bildung in Zukunft
Berlin: Aufbau-Verlag 2007; 175 S.; geb., 16,95 €; ISBN 978-3-351-02656-1Moderne Gesellschaften sind Arbeitsgesellschaften – über Einkommen, soziale Chancen und Anerkennung entscheidet im Wesentlichen die Platzierung im Beschäftigungssystem. Alternativen zur Erwerbsarbeit sind nur unter eng definierten Voraussetzungen gesellschaftlich zugelassen und wer erwerbsfähig, aber ohne Arbeit ist, muss sich einer strikten Kontrolle von Arbeitsverwaltungen unterwerfen, wenn er finanzielle Unterstützung erhalten will. Diese Regularien führen spätestens dann zu Ungerechtigkeiten, wenn die soziale Integration über den Arbeitsmarkt nur noch lückenhaft funktioniert, viele von Erwerbsarbeit dauerhaft ausgeschlossen sind und etliche andere im Niedriglohnsektor von dem Arbeitseinkommen nicht mehr ausreichend leben können. Auf diese strukturellen Probleme reagiert die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens, die in den letzten Jahren quer durch die Parteien intensiv diskutiert worden ist. Wenn jeder Staatsbürger unabhängig von Bedürftigkeitsprüfungen über ein angemessenes Bürgergeld verfügen würde, dann wäre damit die Wahlfreiheit zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit eröffnet. Schon 2005 hatte sich Engler in „Bürger, ohne Arbeit“ mit dieser Forderung ausführlich auseinandergesetzt. Diese Debatte weiterführend geht der Autor in seiner Studie vor allem auf die nicht nur von den Gewerkschaften und der SPD erhobenen Einwände ein, das Grundeinkommen sei eine Art Stillegungsprämie, mit der überdies der Anreiz zur Erwerbsarbeit untergraben werde. Diese Effekte würden sich nicht einstellen, wenn das Grundeinkommen zwar von dem Zwang zur Arbeit befreien, aber nicht von der Verpflichtung glaubwürdiger Bildungsanstrengungen. Wer sich statt für die Beteiligung am Arbeitsmarkt für das Grundeinkommen entscheidet – so Englers etliche Anhänger des Grundeinkommens gewiss provozierende These – muss diese Freiheit durch Arbeit an der eigenen Bildung beweisen.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3 | 2.342 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Wolfgang Engler: Unerhörte Freiheit. Berlin: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21858-unerhoerte-freiheit_33269, veröffentlicht am 26.03.2008.
Buch-Nr.: 33269
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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