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/ 03.06.2013
Hans Füchtner

Unbewußtes Deutschland. Zur Psychoanalyse und Sozialpsychologie einer "Vereinigung"

Heidelberg: Roland Asanger Verlag 1995; 170 S.; kart., 34,- DM; ISBN 3-89334-286-9
Das Buch untersucht sozialpsychologische Aspekte des deutschen Vereinigungsprozesses inklusive der Vorgeschichte im Herbst 1989 und der bis in die Gegenwart reichenden Folgen. In der Tradition einer kritischen psychoanalytischen Sozialpsychologie stehend, diagnostiziert der Autor für die Menschen der DDR tiefreichende seelische Brüche infolge der Vereinigung. Es wäre unrealistisch anzunehmen, daß die umfassenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformationen der DDR ohne Anpassungsschwierigkeiten und Probleme hätten verlaufen können. Deren Ausmaß steht für ihn jedoch in direktem Zusammenhang mit der Tatsache, daß die Befindlichkeiten der Menschen in der DDR weitestgehend unberücksichtigt geblieben sind. Obwohl "nach 40 Jahren realem Sozialismus die Menschen von einem Tag auf den anderen in völlig veränderte politische und soziale Lebensverhältnisse geschleudert wurden, haben sich die Deutschlandmacher für diese Fragen nicht wirklich interessiert" (11 f.). Heute kann eine Bewältigung angestauter (psychosozialer) Probleme nur durch einen offenen Dialog zwischen Ost und West in Gang kommen. Werden die Interessen beider Seiten gleichermaßen berücksichtigt, könnte offenkundig werden, daß eine gemeinsame Basis zwischen alten und neuen Bundesländern existiert: "Ob die psychologischen Folgen des Kulturschocks, den die DDR-Bürger erlebt haben, auch auf längere Sicht dazu beitragen werden, daß eine neue innere Mauer die Menschen der alten und der neuen Bundesländer trennt, [...] hängt zumindest teilweise auch davon ab, ob nicht auch immer mehr Westdeutschen bewußt wird, daß die ökonomischen, sozialen und psychosozialen Anpassungsschwierigkeiten der Ostdeutschen mit grundlegenden gesellschaftlichen Sachverhalten zu tun haben." (134) Inhaltsübersicht: I. Zur psychoanalytischen Sozialpsychologie der "friedlichen Revolution"; II. Der Staat und die Seele; III. Zur Sozialpsychologie der kapitalistischen Akkulturation der neuen Bundesbürger; IV. Sozialpsychologische Aspekte der politischen Situation im vereinten Deutschland.
Christoph Emminghaus (cem)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.3132.372.35 Empfohlene Zitierweise: Christoph Emminghaus, Rezension zu: Hans Füchtner: Unbewußtes Deutschland. Heidelberg: 1995, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/1682-unbewusstes-deutschland_1922, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 1922 Rezension drucken
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