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/ 22.06.2013
Michael Thomas (Hrsg.)

Transformation moderner Gesellschaften und Überleben in alten Regionen. Debatten und Deutungen

Berlin: Lit 2011 (Texte aus dem Brandenburg-Berliner Institut für Sozialwissenschaftliche Studien (BISS e. V.)); 266 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-643-11031-2
Im Zuge der aktuellen Analyse postsowjetischer Staaten hatte man sich zeitweise vom Begriff der Transformation verabschiedet, da der Umbruchprozess von vielen Wissenschaftlern als abgeschlossen betrachtet wurde. Thomas plädiert (neben anderen Forschern) dafür, diesen komplexen Begriff wiederzubeleben, gelte es doch, sich den Herausforderungen eines gesellschaftlichen Umbruchs zu stellen. Damit meint der Herausgeber eine „zukunftsfähige gesellschaftliche Entwicklung“ (12), sprich die Abkehr vom selbstzerstörerischen Wachstumsmodell der modernen kapitalistischen Marktwirtschaft. Die Autoren fragen nach der Ausgestaltung eines solchen neuen Pfades (also nach dem Unterschied zwischen Entwicklung und Wachstum) sowie nach möglichen, vor allem praktisch orientierten Ansätzen für den Wechsel. Dabei – so stellt Thomas zu Beginn fest – darf das Transformationspotenzial nicht universell, sondern muss in lokalen Kontexten gesucht werden, denn oftmals werden vor Ort kreative und auf die Region zugeschnittene Lösungen entwickelt. In seinem eigenen Beitrag stellt Thomas die in der Region Wittenberge nach dem „Abschied vom Industrialismus“ (157) einsetzenden Selbsthilfeinitiativen vor, durch die das soziale Leben neue Impulse erhielt. Vor allem die Vereine (Angel, Sport, Kleingarten) haben sich zwar in begrenztem Maße an die neue Situation angepasst (neue Leitungspersonen, Statut- und Rechtsfragen), aber in gewisser Hinsicht „gleichsam weitergemacht“ (161) – also für Kontinuität, Normalität und entlastende Rückzüge während des wirtschaftlichen Zerfalls gesorgt. Als weitere Initiative beobachtet der Autor eine Reflexion über die vor einigen Jahren noch ansässigen, technisch gut entwickelten Betriebe (beispielsweise das Nähmaschinenwerk Wittenberge und die Kokserei Lauchhammer), die zu sozialer Anerkennung und Identitätsstabilisierung führe. Dieses regionale Gemeinschaftsgefühl werde auch expressiv in Form von Country-Events gelebt. Thomas konstatiert nach seiner Untersuchung, dass in der Region eine neue, gruppenspezifische Sinnstiftung stattfinde, sich brückenbildendes Sozialkapital entwickele, weshalb über- und weitergelebt werden könne. Mit diesem Sammelband verbindet Thomas sein allgemeines Verständnis von Transformation mit dem Plädoyer für eine neue Forschung im Bereich Regionalentwicklung.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.3252.3152.612.22.21 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Michael Thomas (Hrsg.): Transformation moderner Gesellschaften und Überleben in alten Regionen. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34410-transformation-moderner-gesellschaften-und-ueberleben-in-alten-regionen_41322, veröffentlicht am 16.02.2012. Buch-Nr.: 41322 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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