/ 03.06.2013
Siegfried Suckut / Walter Süß (Hrsg.)
Staatspartei und Staatssicherheit. Zum Verhältnis von SED und MfS
Berlin: Ch. Links Verlag 1997 (Wissenschaftliche Reihe des Bundesbeauftragten 8); 351 S.; 38,- DM; ISBN 3-86153-131-3Die Beiträge entstammen (weitgehend in überarbeiteter Form) der Jahrestagung "Staatspartei und Staatssicherheit der Abteilung Bildung und Forschung beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitssdienstes vom Mai 1996. Sie liefern Material für die längst noch nicht ausreichend beantwortete Frage nach dem "innere[n] Funktionieren von Diktaturen im allgemeinen und von kommunistischen im besonderen" (12). Aufschluß darüber, so die allgemeine Forschungsperspektive des Sammelbandes, ermöglichen vor allem die internen Konflikte zwischen Partei und Staatssicherheit. Sie geben Hinweise darauf, daß die Luhmannsche These der eigenständigen Codes, nach denen die verschiedenen Subsysteme funktionieren, auch für diktatorische Systeme theoretischen Wert beanspruchen kann und bieten einen analytischen Ansatzpunkt für die Differenzierung von Anspruch und Wirklichkeit totalitärer Strukturen.
Inhalt: Siegfried Suckut / Walter Süß: Einführung (7-23); Jens Reich: Sicherheit und Feigheit - der Käfer im Brennglas (25-37); Norman Naimark: Moskaus Suche nach Sicherheit und die sowjetische Besatzungszone 1945-1949 (39-50); Roger Engelmann: Diener zweier Herren. Das Verhältnis der Staatssicherheit zur SED und den sowjetischen Besatzern 1950-1959 (51-72); Peter Erler: Zur Sicherheitspolitik der KPD/SED 1945-1949 (73-87); Thomas Klein: SED-Parteikontrolltätigkeit in den vierziger Jahren (89-103); Silke Schumann: Die Parteiorganisation der SED im MfS 1950-1957 (105-128); Jens Gieseke: Erst braun, dann rot? Zur Frage der Hauptbeschäftigung ehemaliger Nationalsozialisten als hauptamtliche Mitarbeiter des MfS (129-149); Siegfried Suckut: Generalkontrollbeauftragter der SED oder gewöhnliches Staatsorgan? Probleme der Funktionsbestimmung des MfS in den sechziger Jahren (151-167); Armin Wagner: Der Nationale Verteidigungsrat der DDR als sicherheitspolitisches Exekutivorgan der SED (169-198); Karl Wilhelm Fricke: Das MfS als Instrument der SED am Beispiel politischer Strafprozesse (199-212); Clemens Vollnhals: Der Schein der Normalität. Staatssicherheit und Justiz in der Ära Honecker (213-247); Walter Süß: Politische Taktik und institutioneller Zerfall. MfS und SED in der Schlußphase des Regimes (249-269); Hans-Hermann Hertle: Wußte der eine, was der andere tat? SED und MfS beim Mauerfall (271-292); Klaus-Dietmar Henke: Menschliche Spontaneität und die Sicherheit des Staates. Zur Rolle der weltanschaulichen Exekutivorgane in den beiden deutschen Diktaturen in den Reflexionen Hannah Arendts (293-305); Lutz Niethammer: Die SED und "ihre" Menschen. Versuch über das Verhältnis zwischen Partei und Bevölkerung als bestimmendes Moment innerer Staatssicherheit (307-340).
Oliver Lembcke (OL)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.313
Empfohlene Zitierweise: Oliver Lembcke, Rezension zu: Siegfried Suckut / Walter Süß (Hrsg.): Staatspartei und Staatssicherheit. Berlin: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3376-staatspartei-und-staatssicherheit_4443, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 4443
Rezension drucken
Dr., Politikwissenschaftler.
CC-BY-NC-SA