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/ 12.09.2013
Christoph Schneider

Regionale Unterschiede der politischen Kultur in Deutschland und Europa

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2013 (Empirische und methodologische Beiträge zur Sozialwissenschaft 28); 476 S.; geb., 71,95 €; ISBN 978-3-631-63938-2
Diss. Mainz; Begutachtung: J. W. Falter, K. Arzheimer. – Inwieweit Ost‑ und Westdeutschland bis heute noch Differenzen in ihrer politischen Kultur aufweisen, ist innerhalb der Wissenschaft sehr umstritten. Schneider trägt zu dieser Diskussion sowohl auf theoretischer als auch auf empirischer Ebene neue Ergebnisse bei. Zunächst beschäftigt er sich mit dem Konzept der politischen Kultur, das notorisch diffus sei. Schneider spitzt seine Definition daher zu auf „die Verteilung von Einstellungen zu politischen Objekten innerhalb eines politischen Systems“ (302), die relevant für dessen Stabilität seien. Zugleich differenziert er zwischen vier Ebenen, die für die Unterstützung des politischen Systems relevant seien: Werte, Demokratieperformanz, Institutionen und Akteure. Ihre Bedeutung für das politische System nimmt, so die weitere Annahme, von der ersten bis zur letzten Ebene ab. Auf diese Weise ist eine differenzierte Betrachtung und Gewichtung der erhobenen Einstellungen möglich. Nach diesen theoretischen Einlassungen, bei dem politische Kultur über die Einstellung der Bevölkerung gemessen wird, was Schneider zugleich innovativ mit einer historischen Betrachtungsweise kombiniert, folgt dann eine empirische Überprüfung. Als Grundlage dient eine Sekundäranalyse von Umfragedaten des European Social Survey und der European Value Studies, die eine Untersuchung politischer Einstellungen auf der regionalen Ebene erlauben. Hier vergleicht Schneider Regionen in Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien und Belgien. Aus den unterschiedlichen Einzelergebnissen zieht der Autor in der Gesamtbetrachtung der Unterstützung demokratischer Werte, politischer Institutionen und Akteure den Schluss, dass die Ergebnisse hinsichtlich der Existenz, des Niveaus, des Ausmaßes und der Verankerung regionaler Unterschiede zwischen Ost‑ und Westdeutschland im europäischen Vergleich eine, aber nicht die besondere Stellung einnehmen. Auffallend sei trotzdem, dass die Befunde auf der Ebene der Demokratieperformanz, bei der Unterstützung politiknaher Institutionen und dem Vertrauen in politische Akteure in Ostdeutschland durchgängig auf einem niedrigeren Niveau als in Westdeutschland und auch als in den übrigen europäischen Regionen liege. Die eigentlich spannende Frage, was daraus folgt – ob also ein kritischer Punkt erreicht ist, an dem das politische System instabil wird – kann mit dieser Studie, wie der Autor selbst betont, nicht beantwortet werden.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.612.232.352.325 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Christoph Schneider: Regionale Unterschiede der politischen Kultur in Deutschland und Europa Frankfurt a. M. u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36171-regionale-unterschiede-der-politischen-kultur-in-deutschland-und-europa_44033, veröffentlicht am 12.09.2013. Buch-Nr.: 44033 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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