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/ 22.06.2013

Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv I

Willi Baer / Jens Renner (Hrsg.)

Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv I. Die AKW-Protestbewegung von Wyhl bis Brokdorf

Hamburg: LAIKA Verlag 2011 (Bibliothek des Widerstands 18); 232 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-942281-01-0
Die beiden Herausgeber Baer und Renner – selbst Aktivisten der Anti-Atomkraft-Bewegung – blicken gemeinsam mit einigen Mitstreitern auf heftige Auseinandersetzungen zwischen Politikern, der Polizei und den Behörden auf der einen sowie Protestierenden gegen den Bau von Atomkraftwerken auf der anderen Seite zurück. Diese Rückschau erfolgt nicht nur mithilfe von chronologischen Darstellungen damaliger Beteiligter, sondern auch mittels eines Interviews, das Jens Renner mit Uli Borchers g...
Willi Baer / Jens Renner (Hrsg.)

Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv I. Die AKW-Protestbewegung von Wyhl bis Brokdorf

Hamburg: LAIKA Verlag 2011 (Bibliothek des Widerstands 18); 232 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-942281-01-0
Die beiden Herausgeber Baer und Renner – selbst Aktivisten der Anti-Atomkraft-Bewegung – blicken gemeinsam mit einigen Mitstreitern auf heftige Auseinandersetzungen zwischen Politikern, der Polizei und den Behörden auf der einen sowie Protestierenden gegen den Bau von Atomkraftwerken auf der anderen Seite zurück. Diese Rückschau erfolgt nicht nur mithilfe von chronologischen Darstellungen damaliger Beteiligter, sondern auch mittels eines Interviews, das Jens Renner mit Uli Borchers geführt hat. Letzterer war Demonstrationsleiter gegen den Bau des Schnellen Brüters in Kalkar. Im Gespräch stellt Bochers heraus, dass die Bewegung äußerst heterogen war und es vor allem die Frage nach den Mitteln war, die zu Auseinandersetzungen führte: „friedlich oder nicht, Bauplatzbesetzung oder nicht, Demo auf der Wiese von Bauer Maas oder nicht“ (151). Die Gewaltfrage, das wird durch die anderen Beiträge deutlich, war nicht nur in Kalkar Grund für Uneinigkeit, sondern ein andauerndes Thema innerhalb der Bewegung. In seiner Gesamtschau erläutert Reimar Paul die Aktivitäten in Frankreich und die Zusammenarbeit von deutschen und französischen Anti-AKW-Bewegungen, was diesen Artikel ebenfalls von den anderen Beiträgen abhebt. Aber auch hier taucht die Gewaltfrage auf: Nach Ansicht des Autors „prägte und lähmte [sie] die Diskussionen in der Anti-AKW-Bewegung damals in einem heute kaum mehr vorstellbaren Maße“ (209). Es entsteht der Eindruck, als ob Baer und Renner mit diesem Buch auch mit den Darstellungen der Grünen aufräumen wollen, die nach ihrem Selbstanspruch aus der Anti-AKW- und Ökologiebewegung entstanden sind, die die Herausgeber aber „mit einer Spur Bosheit“ als „Erbschleicher der Bewegung“ (17) bezeichnen. Mit den Erfahrungen von heute betonen Baer und Renner: „Atomausstieg bleibt Handarbeit“ (18) und negieren damit die Möglichkeit eines rein auf parlamentarischem Wege möglichen Ausstiegs. Das Buch wird ergänzt durch viele Fotos und eine DVD, die einen guten Einblick in die aufgeladene Stimmung in der Bundesrepublik der 70er- und 80er-Jahre liefern. Weiteres Filmmaterial und eine umfangreiche Chronologie zum Thema finden sich in Band II (siehe Buch-Nr. 42047).
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.3132.331 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Willi Baer / Jens Renner (Hrsg.): Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv I. Hamburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34697-lieber-heute-aktiv-als-morgen-radioaktiv-i_41703, veröffentlicht am 29.03.2012. Buch-Nr.: 41703 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA