Skip to main content
/ 19.09.2013
Sebastian Schipper

Genealogie und Gegenwart der "unternehmerischen Stadt" Neoliberales Regieren in Frankfurt am Main 1960-2010

Münster: Westfälisches Dampfboot 2013 (Raumproduktionen: Theorie und Gesellschaftliche Praxis 18); 415 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-89691-936-6
Diss. Frankfurt a. M.; Begutachtung: B. Belina, R. Keil, R. Pütz. – Sebastian Schipper legt mit seiner kapitalismuskritischen Dissertation ein theoretisch anspruchsvolles und mit reichhaltigem empirischen Material ausgestattetes Buch vor. Als konzeptionellen Rahmen nutzt er den Materialismus einer formanalytisch reformierten Regulationstheorie. Materialistische Reproduktion wird von der Regulationstheorie nicht als eine bloße Folge von Wertgesetzlichkeiten verstanden, sondern als ein Prozess, der normativ und situativ in einen gesellschaftlichen Kontext eingebettet ist und dadurch institutionell stabilisiert wird. Der Begriff der sozialen Form benennt – als zweiter Teil des Konzepts – den Sachverhalt, dass die gesellschaftlichen Institutionen nicht als beliebig verstanden werden, sondern der Idee nach einem „formbestimmten Zwang kapitalistischer Vergesellschaftung“ (32) unterliegen. Um einen möglichen Determinismus zu umgehen, ergänzt Schipper die marxistischen Ansätze der Regulationstheorie mit den hegemonietheoretischen Überlegungen Michel Foucaults zur Gouvernementalität. Das empirische Material, mit dem sich der Autor auseinandergesetzt hat, ist enorm: Debatten der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung aus mehreren Jahrzehnten wurden mithilfe des aus der Grounded Theory übernommenen Theoretical Sampling den Kategorien des konzeptuellen Theorierahmens gemäß verdichtet. Darüber hinaus wurden zwölf Experteninterviews geführt, die Lokalberichterstattung der Frankfurter Tageszeitungen sowie die Veröffentlichungen von Presseämtern, Parteien und politischen Institutionen ausgewertet, soweit sie zum Thema gehörten, und die statistischen Daten der Stadt genutzt. Schipper gelingt es dank der klaren methodologischen Grundlegung seiner Arbeit sowie dank ihres umfangreichen Datenmaterials souverän und überzeugend, „die gesellschaftliche Konstruktion scheinbar unvermeidbarer Machtzwänge aufzuzeigen und selbige als soziale und damit potenziell veränderbare Machtverhältnisse zu benennen“ (379).
Stefan Militzer (SM)
Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
Rubrizierung: 2.3252.322.3425.41 Empfohlene Zitierweise: Stefan Militzer, Rezension zu: Sebastian Schipper: Genealogie und Gegenwart der "unternehmerischen Stadt" Münster: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36204-genealogie-und-gegenwart-der-unternehmerischen-stadt_44307, veröffentlicht am 19.09.2013. Buch-Nr.: 44307 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA