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/ 05.09.2013
Michael Ebert

Flexicurity auf dem Prüfstand. Welches Modell hält der Wirtschaftskrise stand?

Berlin: edition sigma 2012 (Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung 147); 162 S.; 15,90 €; ISBN 978-3-8360-8747-6
Diss.; Begutachtung: I. Ostner, S. Kühnel. – Trotz der sogenannten Hartz‑Reformen, die den hiesigen Niedriglohnsektor erheblich ausgeweitet haben, gilt Deutschland immer noch als ein Land, das in der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes stärker auf betriebsinterne Lösungen setzt, die – vielfach im Konsens der Tarifpartner – durch Arbeitszeitregulierungen das Arbeitsvolumen an Veränderungen der Nachfrage anpassen. Demgegenüber sind die Arbeitsmärkte in Dänemark, Großbritannien und den Niederlanden deutlich stärker flexibilisiert – dies vor allem durch Praktiken externer Flexibilisierung wie geringem Kündigungsschutz, befristeten Beschäftigungen und Leiharbeit. Diese vier Länder vergleicht Michael Ebert und fragt, ob und in welcher Weise die unterschiedlichen Flexibilisierungsmodelle die Folgen der 2008 einsetzenden Weltwirtschaftskrise aufgefangen haben. Dabei verknüpft der Untersuchungsansatz zwei Dimensionen: Zum einen geht es – unter Berücksichtigung des jeweiligen institutionellen Kontextes – um die objektive Krisenperformance der Länder auf der Basis ökonomischer Kernindikatoren (u. a. das BIP, die Beschäftigungsquote und das Konsumverhalten). Weil Flexibilisierungsstrategien vielfach zu negativen Effekten (wie geringere Beschäftigungssicherheit und Einkommensverluste) für die Betroffenen führen, zieht der Autor zum anderen subjektive Einstellungen zur Flexibilisierung heran. Als empirische Basis dient dabei einerseits eine thematisch einschlägige repräsentative Erhebung, die der Autor 2004 zusammen mit Ilona Ostner und Steffen Kühnel durchgeführt hat, andererseits handelt es sich um Befunde aus Umfragen des Eurobarometers der Jahre 2007 bis 2009. In der Analyse kommt Ebert zu zwei zentralen Aussagen: Länder, die stärker interne Flexibilisierungsstrategien praktiziert haben – hier am deutlichsten Deutschland – zeigen im Krisenverlauf bessere Werte bei den objektiven Indikatoren. Allerdings fällt in Deutschland – trotz einer objektiv guten Krisenperformance – die subjektive Wahrnehmung der Flexibilisierungspolitik viel skeptischer aus als in den Niederlanden oder in Dänemark. Diese Diskrepanz unterstreicht den aktuellen Reformbedarf für jene Beschäftigten, die nicht mehr vom Normalarbeitsverhältnis profitieren.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2622.3422.61 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Michael Ebert: Flexicurity auf dem Prüfstand. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36131-flexicurity-auf-dem-pruefstand_43235, veröffentlicht am 05.09.2013. Buch-Nr.: 43235 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA