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/ 20.06.2013
Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)

Europa wagen

Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung 2010; 256 S.; brosch., 29,- €; ISBN 978-3-86793-084-0
Wie lässt sich die EU demokratischer gestalten? Wie können die europäischen Länder neue wirtschaftliche Dynamik entfalten und wie sollte die EU das Verhältnis zu ihren Nachbarn gestalten? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden sich in diesem Band, der aus der Arbeit am monatlichen Policy-Brief „Spotlight Europe“ der Bertelsmann Stiftung hervorgegangen ist. Im ersten Themenabschnitt geht es um Europas Demokratie und die Auswirkungen des Vertrags von Lissabon auf die EU sowie die einzelnen Mitgliedstaaten. Erörtert wird die Frage der Wahl des ehemaligen belgischen Premierministers Herman van Rompuy zum Präsidenten des Europäischen Rates, die nach Meinung der Autoren zeigt, dass sich die Staats- und Regierungschefs vor allem „einen erfahrenen Vermittler im europäischen Meinungs- und Interessengeflecht suchten“ (39). Primär wünschten sie sich einen Vermittler, jemanden, der zur internen Kompromissfindung beiträgt und weniger Europas Gesicht in der Welt prägt. Analysiert wird, wie der Bundestag seiner Rolle in der uropapolitik nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Vertrag von Lissabon, in dem der Begriff der Integrationsverantwortung geprägt wurde, gerecht wird. Diese könne wahrgenommen werden, indem sich die Abgeordneten „auf ihre Debattenstärke besinnen“ (55). In der im Vertrag von Lissabon vorgesehenen Europäischen Bürgerinitiative liege viel Sprengkraft, sie könnte die Europäische Union rasch verändern, in ihr liege der „Keim für eine europäische Öffentlichkeit und europäische Parteien“ (57). Um Europas Wirtschaft geht es im zweiten Teil. An eine Analyse der Auswirkungen der Finanzkrise auf die noch neuen EU-Mitgliedstaaten in Mittel- und Osteuropa schließt sich die der „EU-2020-Strategie“ an. Es sei an der Zeit der Welt zu zeigen, wie qualitatives Wachstum mit sozialem Ausgleich und Nachhaltigkeit zusammengeführt werden können, eine soziale Marktwirtschaft gelte es zu schaffen. Das dritte Kapitel ist überschrieben mit Europas Weltbild, darin werden die Beziehungen der EU zu ihren Nachbarn sowie ihre Rolle in der Welt angesprochen. Themen sind etwa die Europäische Nachbarschaftspolitik oder Russland als Partner der EU. Abschließend entwickelt Joschka Fischer die Vision der Vereinigten Staaten von Europa. Die leicht verständlich geschriebenen, informationsreichen Beiträge regen insgesamt zur Reflexion über den europäischen Integrationsprozess an.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 3.13.53.6 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Europa wagen Gütersloh: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21932-europa-wagen_39607, veröffentlicht am 24.05.2011. Buch-Nr.: 39607 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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