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/ 05.06.2013
Michael Richter / Mike Schmeitzner

"Einer von beiden muß so bald wie möglich entfernt werden" Der Tod des sächsischen Ministerpräsidenten Rudolf Friedrichs vor dem Hintergrund des Konfliktes mit Innenminister Kurt Fischer 1947. Eine Expertise des Hannah-Arendt-Instituts im Auftrag der Sächsischen Staatskanzlei

Leipzig: Gustav Kiepenheuer / Sächsische Landeszentrale für politische Bildung 1999; 318 S.; brosch., 29,90 DM; ISBN 3-378-01021-5
Die Expertise liest sich wie ein wissenschaftlicher Kriminalroman: Die beiden Kontrahenten Friedrichs und Fischer geraten im Frühjahr 1947 aneinander, weil Friedrichs, der sächsische SED-Ministerpräsident, eine andere, sozialdemokratisch verdächtige Linie verfolgt, als sein Innenminister Fischer, der als ehemaliger sowjetischer Geheimdienstoffizier in der SED die von Moskau abgesegnete Parteipolitik durchsetzen will. Kurz vor der Münchner Ministerpräsidentenkonferenz im Juni 1947 erkrankt Friedrichs unerwartet und verstirbt. Als sein Vertreter reist Fischer nach München, und die Konferenz scheitert. Ob denn ein sächsischer Ministerpräsident Friedrichs ein anderes Ergebnis der Konferenz hätte bewirken können, ist Spekulation, und ebenso wurde schon seit 1947 darüber spekuliert, ob Friedrichs nicht einem Gift-Anschlag seines Innenministers zum Opfer fiel, der doch immerhin als Offizier des GRU in der 4. Abteilung des sowjetischen Generalstabes tätig gewesen war, damit über eine auch heute nicht vollständig zu klärende nachrichtendienstliche Vergangenheit verfügte, und der schließlich eine andere Politik vertrat als sein "Parteifreund" Friedrichs. Schließlich verschwanden auch auf verdächtige Weise die Fischer belastenden Dossiers, die Friedrichs angelegt hatte, um gegebenenfalls seinen Innenminister zur Räson zu bringen. Die Autoren können zwar keine Gewißheit über den Mordverdacht erbringen, aber anhand der biographischen Skizze und der Darstellung der politischen Zeitumstände beschreiben sie anschaulich die Richtungskämpfe innerhalb der SED. Sie liefern damit einen wichtigen Beitrag zur Vorgeschichte der DDR. Die Expertise besticht durch die breite Auswahl von Dokumenten und die intensive Befragung von Zeitzeugen.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.313 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Michael Richter / Mike Schmeitzner: "Einer von beiden muß so bald wie möglich entfernt werden" Leipzig: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8122-einer-von-beiden-muss-so-bald-wie-moeglich-entfernt-werden_10731, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10731 Rezension drucken
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