/ 15.05.2014
Morten Reitmayer / Thomas Schlemmer (Hrsg.)
Die Anfänge der Gegenwart. Umbrüche in Westeuropa nach dem Boom
München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag 2014 (Zeitgeschichte im Gespräch 17); 147 S.; 16,95 €; ISBN 978-3-486-71871-3Die beiden Herausgeber wollen das von Anselm Doering‑Manteuffel und Lutz Raphael begonnene Forschungsprogramm (vgl. Buch‑Nr. 35334) fortführen und einen weiteren Beitrag zum Verständnis der Zeitgeschichte leisten. Entsprechend verfolgen sie das Ziel, „die in der Vergangenheit liegenden Wurzeln und die historische Bedingtheit von Strukturen und Prozessen herauszuarbeiten, die Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur in Westeuropa und Nordamerika bis heute mehr oder weniger stark prägen“ (9). Silke Mende beleuchtet in ihrem interessanten Beitrag die Entstehung der grünen Bewegung und Partei und fragt nach ihrer Verankerung im Kontext der sich in den 1970er‑Jahren vollziehenden Transformationsprozesse. Die Autorin zeigt, dass die von den Gründungsgrünen aufgegriffen Themen keinesfalls neu, sondern bereits virulent waren. So plädierten die Gründungsgrünen etwa für ein neues Fortschritts‑ und Wachstumsverständnis, das sich nicht an technischen und materiellen Aspekten, sondern an humanistischen Grundlagen orientiert. Entsprechend begreift Mende die frühen Grünen als Spiegel und als Motor zentraler ideengeschichtlicher Wandlungsprozesse in der bundesrepublikanischen Politik und Gesellschaft. Tobias Dietrich zeichnet in seinem Artikel die Geschichte des Joggens nach und fokussiert hier insbesondere auf die Motive und das Selbstverständnis der Läufer_innen. Hierfür nutzt Dietrich Umfragen aus den 1970er‑Jahren, die zeigen, dass es den aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten stammenden Jogger_innen vorrangig darum ging, dem Bewegungsmangel vorzubeugen, gesund und fit zu bleiben sowie an der frischen Luft zu sein. Diese Antworten stellt Dietrich in einen größeren Kontext: Angesichts körperlicher, ökologischer und konsumtiver Grenzerfahrungen am Ende des Booms würden Westdeutsche und US‑Amerikaner_innen „zu einer neuen, präventiven Sorge um sich [neigen], als deren Therapie der Dauerlauf galt und deren Streben auf Gesundheit und ‚Heil‘ zielte“ (134).
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.61 | 2.22 | 2.313 | 2.331 | 2.333 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Morten Reitmayer / Thomas Schlemmer (Hrsg.): Die Anfänge der Gegenwart. München: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37076-die-anfaenge-der-gegenwart_44875, veröffentlicht am 15.05.2014. Buch-Nr.: 44875 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenM. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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