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/ 11.06.2013
Eberhard von Brauchitsch

Der Preis des Schweigens. Erfahrungen eines Unternehmers

Frankfurt a. M.: Propyläen Verlag 1999; 302 S.; 2. Aufl.; geb., 44,- DM; ISBN 3-549-05778-4
Von Brauchitsch beginnt seine Erinnerungen mit einer Schilderung der Nachkriegsjahre und erster beruflicher Erfolge vor dem Eintritt in den Flick-Konzern. Anschließend gibt der Autor einen sehr interessanten, von persönlicher Wertschätzung für Friedrich Flick geprägten Einblick in Struktur und Arbeitsweise des Flick-Konzerns bis Mitte der 70er Jahre. Ausführlich beschäftigt er sich mit den Ereignissen Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre, die bei ihm nur als "sogenannte Parteispendenaffäre" (101) firmieren. Ihm geht es in diesem Buch wie bei seiner Verteidigung vor Gericht darum nachzuweisen, daß "die Praxis der Parteienfinanzierung erstens nicht von mir erfunden worden war und zweitens von allen Beteiligten, einschließlich des Gesetzgebers und der Finanzbehörden, über Jahre und Jahrzehnte geduldet und gedeckt wurde. Weder hatte ich mich persönlich bereichert, noch waren die gegen mich sonst erhobenen Vorwürfe begründet." (231) In der Sichtweise des Autors handelte es sich in Wahrheit um eine "Schutzgeldaffäre" (112). "Die Wirtschaft zahlte Schutzgelder, um sich vor Repressionen in Form wirtschaftsfeindlicher Politik zu schützen." (104) Von Brauchitsch beschreibt detailliert aus seiner Sichtweise die Vorgänge um den Antrag des Flick-Konzerns, für den Verkauf seiner Daimler-Aktien die damaligen Möglichkeiten der Steuerbefreiung zu nutzen. Er erläutert im folgenden seine Rolle, als es darum ging, Hanns-Martin Schleyer aus den Händen der RAF zu befreien. Anschließend kommt er auf die Parteispenden-Affäre und ihre Folgen zurück und rechnet mit dem "Spiegel" ab, der seiner Ansicht nach gezielt von den DDR-Geheimdiensten genutzt wurde, um ihn – von Brauchitsch – zu diskreditieren. In einem weiteren Kapitel äußert er sich sehr kritisch zu Helmut Kohl, der es versäumt habe, "nach seiner Regierungsübernahme [...] für eine schnelle Beendigung des aktiven Sozialismus in der deutschen Wirtschafts- und Sozialpolitik [zu] sorgen" (240). Aufgrund seiner Erfahrungen als Aufsichtsratschef bei Buna und den sächsischen Olefin-Werken kritisiert von Brauchitsch den Einigungs- und wirtschaftlichen Transformationsprozeß in Ostdeutschland sehr scharf. Er schließt mit einer kurzen Darstellung der seiner Ansicht nach notwendigen wirtschaftspolitischen Veränderungen.
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 2.32.332.3422.35 Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Eberhard von Brauchitsch: Der Preis des Schweigens. Frankfurt a. M.: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11001-der-preis-des-schweigens_13005, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 13005 Rezension drucken
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