/ 19.06.2013
Micha Brumlik
Aus Katastrophen lernen? Grundlagen zeitgeschichtlicher Bildung in menschenrechtlicher Absicht
Berlin/Wien: Philo Verlagsgesellschaft 2004; 188 S.; kart., 19,80 €; ISBN 3-8257-0359-2Brumlik ist Erziehungswissenschaftler in Frankfurt und zugleich Leiter des dortigen Fritz Bauer Instituts (Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust). Er entwirft in diesen Abhandlungen Elemente einer interkulturellen Pädagogik „am Ende des Jahrhunderts der Massenvernichtung und zu Beginn eines Jahrhunderts der Genozide“ (159). Die Prämisse einer derartigen Pädagogik - aus der Geschichte könne gelernt werden - erfordert Auseinandersetzungen einerseits mit individuellen und gesellschaftlichen Bedingungen historischer Wahrnehmung, andererseits mit der Möglichkeit institutioneller Lehrbarkeit von Geschichte. Die prinzipielle Frage nach den zivilisierenden Effekten einer pädagogischen Vermittlung der historischen Erfahrungen im Zeitalter der Extreme (Hobsbawm) bleibt indes in Paradoxien verstrickt: „Was uns heute [...] von Kant, aber auch seinen unmittelbaren Nachfolgern trennt, sind die Erfahrungen eines Geschichtsverlaufs, der beim besten Willen zu Optimismus keinen Anlaß gibt, ein Geschichtsverlauf, der mit der Chiffre ‚Auschwitz' ein für allemal mit dem Signum des Unglücks gekennzeichnet ist. Daran werden auch künftige Lernfortschritte nichts mehr ändern.“ (185)
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.23 | 2.35 | 5.44
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Micha Brumlik: Aus Katastrophen lernen? Berlin/Wien: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20936-aus-katastrophen-lernen_24419, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 24419
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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