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/ 22.06.2013
Leonidas Donskis (Hrsg.)

A Litmus Test Case of Modernity. Examining Modern Sensibilities and the Public Domain in the Baltic States at the Turn of the Century

Bern u. a.: Peter Lang 2009 (Interdisciplinary Studies on Central and Eastern Europe 5); 314 S.; pb., 54,50 €; ISBN 978-3-0343-0335-4
In den Beiträgen des Bandes werden sozioökonomische, Migrations-, Identitäts-, Gender-, Medienfragen sowie das Thema des historischen Gedächtnisses mit Blick auf die baltischen Staaten diskutiert. Dabei geht es den Autoren vor allem darum, die Intensität des sozialen und kulturellen Wandels zu beschreiben. Die drei Staaten sind mit ihrer Transformation von einem Teil der Sowjetunion zu Mitgliedern der Europäischen Union auch ein Testfall für Sensibilitäten und Adaptionsmöglichkeiten westlich-moderner Institutionen und Regime. Tatjana Muravska betrachtet die Möglichkeiten des EU-Ansatzes der Unterstützung verschiedener Aspekte einer Wirtschaftsdemokratie (Economic Democracy) in Lettland für den Zeitraum 2004 bis 2008. In dieser Periode kollidierte ein hohes ökonomisches Wachstum mit natürlichem Bevölkerungsrückgang und einer verstärkten Emigration. Das Konzept der Wirtschaftsdemokratie fußt auf Ideen des 19. Jahrhunderts, beispielsweise des amerikanischen Politikers Henry George, und fordert, demokratische Prinzipien auf das Wirtschaftsleben anzuwenden. Auf diese Weise soll in Entscheidungsprozessen über Wohlstandverteilung das Konfliktpotenzial minimiert werden. Über zahlreiche Initiativen habe die EU seit den frühen 90er-Jahren entsprechend versucht, zum Beispiel Gewinnbeteiligungen von Arbeitnehmern oder Anteilseignerschaften von Arbeitnehmern zu fördern. In der Strategie von Lissabon habe sich dann auch die Herausforderung niedergeschlagen, Wirtschaftswachstum und soziale Sicherheit auszubalancieren. Ob diese Balance gerade den baltischen Staaten gelingen wird, wagt Muravska nicht zu prognostizieren. Zwar lässt die Autorin keinen Zweifel an der Notwendigkeit eines neuen Sozialmodells, doch bisher, so resümiert sie, seien die Prinzipien der Demokratisierung der Wirtschaft in Lettland noch unterentwickelt. Abschließend formuliert sie mit Blick auf die Gesamtheit der neuen EU-Mitglieder: „The basic question is whether economic democracy, as a concept that was developed in the 19th and 20th centuries and strenghened at times of economic crises, should also be implemented in the new member states“ (45).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.612.232.22 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Leonidas Donskis (Hrsg.): A Litmus Test Case of Modernity. Bern u. a.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32138-a-litmus-test-case-of-modernity_38334, veröffentlicht am 11.05.2010. Buch-Nr.: 38334 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA