/ 21.06.2013
Christiana Christova
Zwischen Totalitarismus, Moderne und Postmoderne. Zum Wandel der Interpretation des Sowjetsystems mit besonderer Berücksichtigung des Poststalinismus
Online-Publikation 2006 (http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=985232803); 377 S.Diss. Eichstätt-Ingolstadt; Gutachter: K. G. Ballestrem, L. Luks. – Die Autorin verbindet die theoretische Analyse des Sowjetsystems – anhand der prämodernen, der modernen und der postmodernen politischen Theorie – mit einer Analyse der chronologisch geordneten wissenschaftlichen Betrachtung von Entstalinisierung, Perestroika und Zusammenbruch des Kommunismus. Als Vertreter einer prämodernen Theorie beschäftigt sie sich mit Hannah Arendt, Carl J. Friedrich und Zbigniew Brzezinksi, für die Modernisierungstheorien stehen Max Weber und Talcott Parsons sowie für die Theorien der postindustriellen Gesellschaft Daniel Bell und François Lyotard. Allerdings liest es sich etwas seltsam, dass – zum Beispiel – Arendt und Weber gegenübergestellt werden mit der Begründung, dass für Arendts Totalitarismustheorie die Betonung des staatlichen Terrors prägend, diese „Verbrechensdimension“ (81) für die Modernisierungstheorie von Weber aber nur zweitrangig sei. Inmitten dieser theoretischen Rekapitulation fehlt schlicht der Hinweis, dass Weber 1920 starb, ohne Nationalsozialismus und Stalinismus erlebt haben zu müssen. Ausgehend von diesem theoretischen Rahmen jedenfalls untersucht die Autorin die Interpretationen des poststalinistischen Sowjetsystems von 1953 bis 1985 sowie die während der Perestroika und nach 1989. Berücksichtigt werden eine Reihe von Autoren von Bertram Wolfe und Richard Löwenthal bis Francis Fukuyama und Zygmunt Baumann. Christova kommt zu dem vorhersehbaren Ergebnis, dass „die modernisierungstheoretischen Deutungen des Kommunismus einen größeren Wandlungsprozess vollziehen als die totalitarismustheoretischen Interpretationen“ (334), da durch den Zusammenbruch der Sowjetunion die Annahmen einer demokratischen Entwicklung als falsifiziert gelten. Der Sozialismus erscheine nunmehr als Antithese zum pluralistisch-kapitalistischen Demokratieverständnis.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.46 | 5.42 | 2.62 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Christiana Christova: Zwischen Totalitarismus, Moderne und Postmoderne. 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28831-zwischen-totalitarismus-moderne-und-postmoderne_34018, veröffentlicht am 26.03.2008.
Buch-Nr.: 34018
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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