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/ 21.06.2013
Andreas Franzmann / Barbara Wolbring (Hrsg.)

Zwischen Idee und Zweckorientierung. Vorbilder und Motive von Hochschulreformen seit 1945

Berlin: Akademie Verlag 2007 (Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel 21); 237 S.; hardc., 49,80 €; ISBN 978-3-05-004308-1
Das quantitative Wachstum der deutschen Universitäten nach dem Zweiten Weltkrieg wurde – obwohl es politisch gewollt war – zunehmend als „Krisenmoment“ (8) angesehen. Insofern gehörten Hochschulreformdiskussionen zur Universität. Mithilfe eines diskursgeschichtlichen Ansatzes stellen die Autoren (Historiker und Soziologen) nicht allein Krisendiagnosen und Reformvorschläge vor, sondern fragen vor allem nach den dahinter sichtbar werdenden Leitvorstellungen von der Institution Universität und ihrer Aufgabenstellung. Die Historiker werfen schwerpunktmäßig Schlaglichter auf die ersten beiden Reformphasen nach 1945 und deren Akteure, wie etwa die Politiker der Besatzungsmächte oder die Hochschulrektoren. Am Beispiel der Universität Frankfurt a. M. wird der Blick auf die Zustände jener Jahre gelenkt. Die zweite Phase der Reformdebatte war in den 60er-Jahren angesiedelt. In diesem Kontext wird die Veränderung der Leitbilder thematisiert, der neugegründete Wissenschaftsrat als zusätzlicher Beteiligter an diesem Diskurs in den Blick genommen und die Auswirkungen von Expansion und Form aus der Perspektive der Wirtschaftswissenschaften geschildert. Den gegenwärtigen Reformen und den hinter ihnen stehenden Vorstellungen von Universität nähern sich die soziologischen Beiträge des letzten Abschnitts, in denen einzelne an den Reformdiskursen teilnehmende Gruppen und Akteure untersucht werden. Jansen analysiert den „offenen Brief“ der „Initiative Zukunft der Wissenschaft“ vom September 2005 und fragt, was er über das Wissenschafts- und Universitätsverständnis junger, in den USA beschäftigter, deutscher Wissenschaftler aussagt. Liebermann und Loer geht es darum, inwiefern die Professoren deutscher Hochschulen aufgrund ihrer Haltung und ihres Habitus als Mitverursacher der Universitätsmisere bezeichnet werden können. Ein Großteil der derzeit an den Hochschulen beklagten Probleme sei auf ein falsches bzw. fehlendes Kollegialitätsprinzip zurückzuführen. Der Band ist aus einer Tagung an der Universität Frankfurt a. M. im März 2006 hervorgegangen.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3432.313 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Andreas Franzmann / Barbara Wolbring (Hrsg.): Zwischen Idee und Zweckorientierung. Berlin: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27433-zwischen-idee-und-zweckorientierung_32142, veröffentlicht am 01.04.2008. Buch-Nr.: 32142 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA