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/ 20.06.2013
Stefan Empter / Robert B. Vehrkamp (Hrsg.)

Wirtschaftsstandort Deutschland

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006 (Schriften der Zeppelin University zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik); 511 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-531-14754-3
„Wir spielen auswärts besser als zuhause, stürmen von Auswärtssieg zu Auswärtssieg, stolpern aber gleichzeitig binnenwirtschaftlich von einer Heimniederlage in die nächste“ (31), schreiben die Herausgeber über das Stärken-Schwächen-Profil des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Das Land sei zwar immer noch wirtschaftlich stark und biete einen hohen Lebensstandard, stellt Thomas Straubhaar dazu fest, aber mit besorgniserregend geringer Wirtschaftsdynamik und Reformbereitschaft. Dem stehe das Bild des Exportweltmeisters nicht entgegen, schreiben Karin Forster und Jens Ulbrich. „Hohe Arbeitslosigkeit und Wachstumsschwäche erscheinen nicht länger als Kehrseite der Exporterfolge, sondern als originär binnenwirtschaftliche Reformherausforderung.“ (17) An diese Überblicksdarstellungen anschließend werden sieben Ranking-Studien vorgestellt, mit denen die Diagnose einer tief gespaltenen Entwicklung untermauert wird. Wiederholt festgestellt wird der Zusammenhang zwischen Wohlstand und dem Grad der Regulierung wirtschaftlicher Tätigkeit. In Deutschland stagniere der Grad der wirtschaftlichen Freiheit, während er in vergleichbaren Ländern steige, der deutsche Arbeitsmarkt sei „markant unfrei“ (20). In weiteren Kapiteln über „Wachstum und Beschäftigung“, „Steuern und Soziales“ sowie „Bildung und Forschung“ werden wichtige Reformfelder vertiefend analysiert. Thematisiert werden unter anderem das Verhältnis zwischen Lohnhöhe und Arbeitsproduktivität, die negativen Auswirkungen der Finanzierung der deutschen Einheit über die Sozialversicherungssysteme sowie die Frage, welche Form des Föderalismus wirtschaftspolitisch am besten sei. Ferner wird Deutschland als konservativer Wohlfahrtsstaat beschrieben, der seine Ressourcen zum größten Teil vergangenheitsbezogen ausgibt (Rente) und zu wenig zukunftsbezogen (Bildung, aktive Arbeitsmarktpolitik). Insgesamt sei festzustellen, so die Herausgeber, dass Deutschland sein Potenzial nicht ausschöpfe. Eine nachhaltige Belebung der Binnenwirtschaft werde erst durch die Reintegration der heute vom Arbeitsmarkt Ausgeschlossenen ermöglicht.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.32.3422.343 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Stefan Empter / Robert B. Vehrkamp (Hrsg.): Wirtschaftsstandort Deutschland Wiesbaden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25385-wirtschaftsstandort-deutschland_29423, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 29423 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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