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/ 11.06.2013
Stefan Merten

Wirtschaftspolitische Leitbilder des Marxismus-Leninismus. Konzeptionen - Defizite - Folgen. Mit einem Geleitwort von Werner Zohlnhöfer

Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag 1999 (DUV: Wirtschaftswissenschaft); XVI, 305 S.; brosch., 108,- DM; ISBN 3-8244-0446-X
Wirtschaftswiss. Diss. Mainz; Erstgutachter: W. Zohlnhöfer, Zweitgutachter: V. Hentschel. - Das Ziel war die wissenschaftliche Lenkung der Ökonomie, um als Motor der gesellschaftlichen Entwicklung den gesetzmäßigen Fortschritt der Geschichte zu beschleunigen, die politische Instrumentalisierung hin zu totalitärer Unterdrückung des "historischen Subjekts" das Ergebnis - soweit, so bekannt. Darüber hinaus wird im Geleitwort von einer zu schließenden Lücke gesprochen, und der Autor dürfte in der Tat als Erster systematisch der Frage nachgegangen sein, wie ganz konkret die Vorstellungen von Marx, Engels und Lenin über die Gestaltung eines Wirtschaftssystems des Sozialismus - als Übergang zum steuerungsfreien Kommunismus - aussahen und was sie zu leisten vermögen. Gemeinhin herrscht nach Meinung des Autors die Überzeugung, daß das im Grunde "gute" theoretische Konzept lediglich aufgrund schlechter Umsetzung in pervertierter Form Realität wurde und nur deshalb zum Untergang eines ganzen Wirtschaftssystems führte. Hier nun setzt die Arbeit mit einer kritischen Befragung der relevanten wirtschaftspolitischen Aussagen an und dokumentiert dies mit ausführlichen Zitaten. Dabei stellt sich heraus, daß es den geistigen Vätern der politischen Ökonomie des Sozialismus nicht gelungen ist, tragfähige Leitbilder zur Verwirklichung ihrer Ziele wie der Befreiung des Proletariats von Unterdrückung zu entwerfen; andererseits offenbart sich ein steuerungspolitisches Vakuum, das zum Einfallstor nicht demokratisch legitimierter Macht wurde. Besondere Aufmerksamkeit widmet der Verfasser dem Aspekt der Freiheit, so daß am Ende des Buches die Frage beantwortet wird, worin der Marxismus-Leninismus letztlich gipfelt: in Tyrannis oder Civitas Humana? Das ökonomische Fundament bedingt den politischen Überbau: q. e. d. Der "reale Sozialismus" also kein Betriebsunfall, sondern bittere Konsequenz. Inhaltsübersicht: 1. Gegenstand der Arbeit: Das Scheitern eines Jahrhundertexperiments; 2. Grundlagen; 3. Die wirtschaftspolitischen Vorstellungen von Karl Marx und Friedrich Engels als theoretische Fundierung sozialistischer Wirtschaftspolitik; 4. Die wirtschaftspolitischen Vorstellungen W. I. Lenins; 5. Die Genesis der wirtschaftspolitischen Vorstellungen des Marxismus-Leninismus: Vom Marxschen Traum einer Civitas Humana zur real existierenden Tyrannis Lenins.
Dirk Märten (DM)
Rubrizierung: 5.335.45 Empfohlene Zitierweise: Dirk Märten, Rezension zu: Stefan Merten: Wirtschaftspolitische Leitbilder des Marxismus-Leninismus. Wiesbaden: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9862-wirtschaftspolitische-leitbilder-des-marxismus-leninismus_11633, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 11633 Rezension drucken
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