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/ 06.06.2013
Annette Schavan

Welche Schule wollen wir? PISA und die Konsequenzen

Freiburg i. Br./Basel/Wien: Herder 2002 (Herder Spektrum 5308); 156 S.; kart., 8,90 €; ISBN 3-451-05308-X
Die anspruchsvolle internationale Leistungsvergleichs-Studie "PISA" hat dem deutschen Schulsystem schlechte Noten erteilt: Es wurden nicht nur unterdurchschnittliche Schülerleistungen in den untersuchten Bereichen Lesekompetenz, mathematische und naturwissenschaftliche Fähigkeiten, sondern auch eine besonders enge Kopplung von Leistung und sozialer Herkunft konstatiert. Schavan, amtierende Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg, das in der ergänzenden nationalen Erhebung PISA E mit Bayern und Sachsen in der Spitzengruppe rangiert, plädiert in ihrer Antwort auf PISA für eine konsequente Modernisierung des deutschen Schulsystems und ein insgesamt bildungs- und erziehungsfreundlicheres Klima in Deutschland. Gleichwohl liefert sie mit ihren Vorstellungen - mehr Anstrengung und mehr Leistung der Schüler, Festhalten an der traditionellen Halbtagsschule und am dreigliedrigen Schulsystem, mehr Elternmitwirkung und Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Schule, Reform der Lehrerbildung, mehr Schulautonomie - in der aktuellen PISA-Debatte keine neuen Anstöße. Mehr noch: Während die erfolgreichen Nationen bereits im Kindergarten Bildung "groß" schreiben, die Schüler möglichst lange gemeinsam ganztägig unterrichten und so zeigen, dass Klasse und Masse sowie Leistung und Chancengleichheit einander keinesfalls ausschließen, wird bei ihr die Gesamtschule von vornherein nur pejorativ erwähnt, die Ganztagsschule und Konzepte frühkindlicher Bildung gar nicht. Schavan erschöpft sich weitenteils in einem "Weiter so", sieht sie doch ihre Bildungspolitik in Anbetracht des erheblichen Nord-Süd-Gefälles im innerdeutschen Vergleich bestätigt. Dabei lässt sie außer Acht, dass sich selbst die hiesigen Spitzenreiter im internationalen Vergleich lediglich im Mittelfeld bewegen.
Julia Schmidt-Häuer (JSH)
Dr., Referentin im wissenschaftlichen Dienst der SPD-Bürgerschaftsfraktion in Bremen.
Rubrizierung: 2.343 Empfohlene Zitierweise: Julia Schmidt-Häuer, Rezension zu: Annette Schavan: Welche Schule wollen wir? Freiburg i. Br./Basel/Wien: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8829-welche-schule-wollen-wir_20234, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 20234 Rezension drucken
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