/ 21.06.2013
Sven Sieber
Walter Janka und Wolfgang Harich. Zwei DDR-Intellektuelle im Konflikt mit der Macht
Berlin: Lit 2008 (Chemnitzer Beiträge zur Politik und Geschichte 1); 132 S.; brosch., 14,90 €; ISBN 978-3-8258-0401-5Politikwiss. Magisterarbeit Chemnitz; Gutachter: A. Söllner, U. Brummert. – Der damalige Leiter des Aufbau-Verlages Janka und der Publizist und Lektor Harich wurden 1956 unter dem Vorwurf verhaftet, eine staats- und parteifeindliche Gruppierung gebildet zu haben. Dieser Vorwurf gründete sich im Wesentlichen auf dem von Harich verfassten Papier „Plattform für einen besonderen deutschen Weg zum Sozialismus“. Gefordert wurde darin die Entstalinisierung der SED, der Verzicht auf die Privilegien der Funktionäre sowie eine Verbesserung der Beziehungen zur SPD einschließlich einer Anerkennung der „Möglichkeit eines friedlichen, parlamentarischen Weges zum Sozialismus in der BRD auf der Grundlage des bundesdeutschen Grundgesetzes“ (103). Sieber stellt kurz die Biografien Jankas und Harichs vor, ihre Weltanschauungen sowie ihre politische Positionierung nach dem Tod Stalins und vor allem vor dem Hintergrund der Ereignisse im Jahre 1956 – dazu gehören der XX. Parteitag der KPdSU, die Proteste in Polen und der Aufstand in Ungarn. Dem Umfang einer Magisterarbeit geschuldet ist, dass dieses komplexes Thema nur kurz behandelt wird. Das Buch eignet sich daher als erste knappe Einführung in das Thema – zumal Janka und Harich nicht die Einzigen waren, die abseits der von Ulbricht vorgegebenen SED-Linie über die Zukunft des Sozialismus nachdachten. Sieber ordnet den Prozess gegen sie als eine Disziplinierung der DDR-Intelligenz ein. „Ein offenes Auftreten gegen Ulbricht musste damit aussichtslos erscheinen.“ (118) Janka wurde 1960 vorzeitig aus der Haft entlassen, nach der Wende war er bis zu seinem Parteiaustritt 1992 im Ältestenrat der PDS tätig. Harich, der aus der DDR ausreisen durfte, kehrte 1981 freiwillig zurück. 1992 trat er kurzfristig der KPD bei und war 1994/95 Mitglied der PDS und ihrer Kommunistischen Plattform.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Sven Sieber: Walter Janka und Wolfgang Harich. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28552-walter-janka-und-wolfgang-harich_33647, veröffentlicht am 12.08.2008.
Buch-Nr.: 33647
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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