/ 21.06.2013
Jennifer Schevardo
Vom Wert des Notwendigen. Preispolitik und Lebensstandard in der DDR der fünfziger Jahre
Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2006 (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Beihefte 185); 320 S.; kart., 62,- €; ISBN 978-3-515-08860-2Diss. Potsdam; Gutachter: A. Steiner. – Wie sollte der Wohlstand in der DDR aussehen? Die SED habe sich zunächst an dem traditionellen Verständnis der Arbeiterbewegung orientiert, wonach die materielle Grundsicherung zu gewährleisten sei – allerdings sei nicht explizit thematisiert worden, was dazu zähle, schreibt Schevardo. Das wichtigste Instrument, den Lebensstandard zu beeinflussen, seien neben dem Einkommen die Verbraucherpreise gewesen. Diese Preise und die ihnen zugrunde liegenden politischen Konzepte stellt die Autorin in den Mittelpunkt dieser wirtschaftspolitischen Studie über die langen fünfziger Jahre von 1948 bis 1961. Nach einem einführenden Abriss über die preistheoretischen Grundlagen im Sozialismus erläutert sie die chronologische Entwicklung. Die SED-Führung habe es als Erfolg verbucht, wenn die Preise niedrig gehalten werden konnten und nur langsam verstanden, dass die Bevölkerung längst bereits gewesen sei, „höhere Preise zu zahlen, wenn sie dafür Waren erhielt, die sie wünschte“ (291). In den fünfziger Jahre aber hätten weder geeignete Instrumente existiert, Nachfrage detailliert zu erfassen, noch Mechanismen, mit denen diese in die Preisbildung hätte integriert werden können. Gleichzeitig sei es – anders als geplant – auch nicht gelungen, die Verbraucher- von den Produktionspreisen zu trennen. Gegen Ende der fünfziger Jahre sei das Scheitern der Preis- und Versorgungspolitik offensichtlich und Diskussionsgegenstand in der Wirtschaftsverwaltung gewesen, schreibt die Autorin. Der Lebensstandard sei deshalb neu definiert worden, indem die Teilnahme am stetig wachsenden Wohlstand um die Komponenten Freiheit und Gerechtigkeit ergänzt worden sei. Aber erst nachdem die Verbraucherpreise deutlich erhöht und die Mauer gebaut worden sei, habe die Bevölkerung dies einsehen müssen und sei ordentlich einkaufen gegangen. Diese Studie ist im Kontext des Projekts „Preisbildung und Lebensstandard in Deutschland unter den Bedingungen von Demokratie und Diktatur“ entstanden (siehe auch: Zündorf, „Der Preis der Marktwirtschaft“ in ZPol 1/07: XXX, ZPol-Nr. 30780).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jennifer Schevardo: Vom Wert des Notwendigen. Stuttgart: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26411-vom-wert-des-notwendigen_30779, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30779
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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