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/ 12.06.2013
Vincent Geoghegan

Utopianism and Marxism

Oxford u. a.: Peter Lang 2008 (Ralahine Utopian Studies 4); 189 S.; pb., 35,60 €; ISBN 978-3-03910-137-5
Geoghegan, Professor für Politische Theorie in Belfast, veröffentlichte diese Schrift erstmals 1987 – unter gänzlich anderen politische Rahmenbedingungen, wie er schreibt: In Großbritannien reagierte die neokonservative Premierministerin Thatcher, das Ende der Sowjetunion zeichnete sich noch nicht ab. Auch er selbst sei ein anderer gewesen, schreibt Geoghegan, weshalb er von einer Überarbeitung des Buches Abstand genommen habe – es wäre ein anderes geworden. So stellt er also noch einmal seine Überlegungen zu den utopischen Aspekten des Marxismus zur Debatte, unbeeindruckt von der tief greifenden Zäsur durch den Niedergang der sozialistischen Systeme in Europa. Der theoretische Marxismus sei nicht diskreditiert. Seine grundlegende Annahme ist, dass die von Marx und Engels selbst vertretene Unterscheidung zwischen einem utopischen und einem wissenschaftlichen Sozialismus politisch motiviert und insgesamt wenig glücklich gewesen sei. Geoghegan sieht vielmehr auch den Marxismus von utopischen Elementen geprägt und beginnt seine Darstellung mit den Einflüssen der Frühsozialisten Saint-Simon, Owen und Fourier. Interessant sei, dass sich Marx und Engels von deren noch offeneren Zukunftsvorstellungen abgrenzten und vor allem die autonomen Handlungsmöglichkeiten des Proletariats hervorhoben. In der Folge konstatiert Geoghegan eine Verengung des späteren Marxismus-Leninismus auf einen autoritären Utopismus und damit eine Beschneidung der theoretischen Möglichkeiten. Dieser Entwicklung stellt Geoghegan die marxistischen Denker Ernst Bloch, Herbert Marcuse, Rudolf Bahro und André Gorz gegenüber, die die sozialistische Theorie wieder öffneten. So habe beispielsweise Bahro in den 70er-Jahren eindeutig die von den regierenden Marxisten immer noch propagierte proletarische Revolution als veraltet erkannt und den Blick auf die Emanzipation aller gelenkt. Geoghegan geht am Schluss seiner Analyse schließlich noch weiter und erteilt auch einem Denken, in dem zwischen autonomer Bewegung und demokratischer Partei unterschieden wird, eine Absage. Eine Partei sollte ein Forum unter vielen sein.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.435.45 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Vincent Geoghegan: Utopianism and Marxism Oxford u. a.: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14430-utopianism-and-marxism_36200, veröffentlicht am 15.04.2009. Buch-Nr.: 36200 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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