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/ 22.06.2013
Bertrand M. Patenaude

Trotzki. Der verratene Revolutionär. Aus dem Amerikanischen von Stephan Gebauer

Berlin: Propyläen Verlag 2010; 431 S.; geb., 24,95 €; ISBN 978-3-549-07377-3
Leo Trotzki, zunächst Lenins rechte Hand, später im Kampf um dessen Nachfolge Stalin unterlegen und von ihm ins Exil gezwungen, trug lange Zeit die Hoffnungen der vom Stalinismus enttäuschten Marxisten. Der in Stanford lehrende Historiker Patenaude widmet Trotzki eine Biografie, die sich hauptsächlich auf die letzten dreieinhalb Jahre seines Lebens konzentriert, die er im mexikanischen Exil verbrachte: von der Begrüßung durch das Malerehepaar Frida Kahlo und Diego Rivera im Jahr 1937, deren Bemühungen Trotzki es nicht zuletzt verdankte, dass Mexiko ihm die Einreise erlaubte, bis hin zu seiner Ermordung 1940 durch einen sowjetischen Agenten, der in sein Umfeld eingeschleust worden war. Mit erzählerischer Könnerschaft werden Trotzkis Alltag, Lebensumstände und Charakter ebenso geschildert, wie sein Bemühen, die historische Deutung der Oktoberrevolution Stalin streitig zu machen. Die chronologische Aufarbeitung dieser Zeitspanne wird durch Rückblenden unterbrochen, die unter anderem Trotzkis Jugend oder seine Rolle im Bürgerkrieg nach der Oktoberrevolution skizzieren. Allerdings geraten insbesondere diese Rückblenden oft zu oberflächlich und sind Trotzki gegenüber bis auf wenige Ausnahmen unkritisch. So wird zwar eine großteils spannende und detailreiche Schilderung von Trotzkis letzten Jahren geboten, über seine Rolle bei der Etablierung der sowjetischen Herrschaft oder die theoretischen Hintergründe des Trotzkismus und seiner Bedeutung in der kommunistischen Bewegung als Ganzer aber erfährt man wenig. Diese eingeschränkte Perspektive, aus der Trotzki zuvörderst als Opfer Stalins in den Blick kommt, mag auch der Quellenauswahl geschuldet sein – schöpft der Autor doch fast ausschließlich aus amerikanischen Quellen wie Trotzkis persönlichem Archiv, das er mit ins Exil nehmen konnte und später aus Finanznot an die Harvard University verkaufte, wo es sich bis heute befindet.
Nikolai Münch (NM)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Forschungszentrum Laboratorium Aufklärung, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.622.1 Empfohlene Zitierweise: Nikolai Münch, Rezension zu: Bertrand M. Patenaude: Trotzki. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32839-trotzki_39219, veröffentlicht am 19.01.2011. Buch-Nr.: 39219 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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