Skip to main content
/ 22.06.2013
Theodor Hanf (Hrsg.)

The Political Function of Education in Deeply Divided Countries

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011 (Studien zu Ethnizität, Religion und Demokratie 12); 337 S.; brosch., 59,- €; ISBN 978-3-8329-6805-2
Der Bildung, so der Standpunkt der Autoren dieses Sammelbandes, kommt eine nicht zu unterschätzende politische Funktion zu, denn sie ist ein wichtiges Moment bei der Entstehung und (Re-)Produktion bzw. bei der Eindämmung ethnischer und religiöser Konflikte. Dies zeigen die exemplarisch ausgewählten Fallbeispiele im ersten Teil deutlich: Unter Berücksichtigung sozialer und politischer Veränderungen wird der Beginn und Verlauf von ethnischen und religiösen Konflikten in nationalstaatlich verfassten, aber in sich gespaltenen Gesellschaften nachgezeichnet und der für diese Entwicklung hohe Stellenwert der Bildung deutlich gemacht. Parallel nebeneinander bestehende, Bevölkerungsgruppen separierende Bildungssysteme sorgen dafür, so weisen die Autoren nach, dass die Spaltung auch in künftige Generationen hineingetragen wird. Der Sammelband verbleibt aber nicht nur bei einer Bestandsaufnahme, sondern es werden im dritten Teil auch Erfolgsgeschichten vorgestellt, von denen andere Gesellschaften lernen können. Indien, die Schweiz und Kanada sind Staaten, in denen die gesellschaftliche Spaltung wenn nicht komplett überwunden, so doch verringert werden konnte. Die Reform der jeweiligen Bildungssysteme hat maßgeblichen Anteil an diesem nachhaltigen Erfolg, wie die Autoren herausstellen. In multilingualen Gesellschaften ist es insbesondere notwendig, eine politische Anerkennung aller wichtigen Sprachen durchzusetzen. Neben der Sprache ist das Bildungssystem auch inhaltlich zu reformieren. In Indien wurde dies unter dem Schlagwort „Unity in diversity“ getan: Regionale Unterschiede sowie ethnische und religiöse Traditionen werden politisch anerkannt und im Schulunterricht berücksichtigt. Damit gelingt es, ein einheitsstiftendes Moment zu konsolidieren und die Gesellschaft zu stabilisieren.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.2632.232.52.612.632.642.672.68 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Theodor Hanf (Hrsg.): The Political Function of Education in Deeply Divided Countries Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34430-the-political-function-of-education-in-deeply-divided-countries_41348, veröffentlicht am 15.12.2011. Buch-Nr.: 41348 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA