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/ 20.06.2013
Clemens Heitmann

Schützen und Helfen? Luftschutz und Zivilverteidigung in der DDR 1955 bis 1989/90

Berlin: Ch. Links Verlag 2006 (Militärgeschichte der DDR 12); XII, 475 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-86153-400-6
Diss. Potsdam; Gutachter: M. Görtemaker, T. Lindenberger. – Diese Studie reiht sich in die gelungenen Einzeluntersuchungen ein, in denen die DDR pars pro toto erklärt wird. Heitmann hat das Thema der Zivilverteidigung gewählt, um beispielhaft drei wesentliche Komponenten zu erklären: Ausgangspunkt ist die Frage, „ob und inwieweit eine vorangegangene sowjetische Entwicklung jene in der DDR präjudizierte“ (6). Dann werden die Entstehung und Entwicklung von Luftschutz und Zivilverteidigung chronologisch als Beispiel der Organisation des Sozialismus nachgezeichnet. Und drittens wird das Beziehungsverhältnis zwischen den Herrschern, ihren Erfüllungsgehilfen und den Beherrschten beleuchtet. Heitmann skizziert die sowjetische Idee, dass ein Krieg alle Bereiche von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft einbeziehen werde und daher im Frieden organisatorisch vorbereitet werden müsse. Daran schließt er das „völlig irreale Kriegsbild der SED-Führung“ (83) an, das neben den biografischen Erfahrungen vor allem durch eine völlige Fehleinschätzung der Auswirkungen moderner Waffen geprägt gewesen sei. Die in der Folge des 1958 erlassenen Luftschutzgesetzes gegründete Organisation freiwilliger Luftschutzhelfer habe stark dem nationalsozialistischen Reichsluftschutzbund geähnelt, schreibt Heitmann. Ausgelöst habe diese Gründung einen hektischen Aktionismus in kommunalen Behörden und in den Betrieben, die diese Freiwilligen stellen sollten. In der Bevölkerung sei diese Entwicklung kritisch gesehen worden und schließlich mangels Interesse praktisch gescheitert. In der Folge des dann auf Druck Moskaus 1970 erlassenen Zivilverteidigungsgesetzes sei allerdings zu erkennen gewesen, welcher Sinn und Zweck mit der Zivilverteidigung überhaupt verfolgt worden sei: Statt Kenntnisse über Schutz- und Hilfsmaßnahmen im Kriegs- oder Katastrophenfall zu vermitteln, sei es dem Regime darum gegangen, die Staatsbürger zu sozialisieren und zu indoktrinieren. Angesichts der innenpolitischen Ereignisse im Herbst 1989 legt Heitmann aber den Schluss nahe, dass die Herrschaft der SED nicht besonders effektiv war.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Clemens Heitmann: Schützen und Helfen? Berlin: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25796-schuetzen-und-helfen_29943, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 29943 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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