/ 22.06.2013
Franz Walter
"Republik, das ist nicht viel" Partei und Jugend in der Krise des Weimarer Sozialismus
Bielefeld: transcript Verlag 2011 (Studien des Göttinger Instituts für Demokratieforschung 2); 453 S.; 29,80 €; ISBN 978-3-8376-1832-7In eine Dissertationsarbeit fließt wohl derart viel Leidenschaft, Arbeit und Mühe ein wie in kaum ein anderes wissenschaftliches Werk. Doch nicht alles, was man erarbeitet hat, kann darin integriert werden. Auch all das Wissen, das man im Laufe des weiteren Lebens noch erschließt, kann notwendigerweise ebenfalls nicht Teil der Arbeit sein. Die eigene Dissertation erscheint einem in Anbetracht dessen dann im Rückblick manchmal ein wenig lückenhaft, vielleicht auch erneuerungsbedürftig. Den Ehrgeiz, ein solches Projekt nochmals neu zu kompilieren, entwickeln aber die allerwenigsten. Zu dieser lobenswerten Minderheit gehört der Göttinger Parteienforscher Franz Walter, der das Material seiner in den 80er-Jahren gefertigten Dissertation über die sozialistische Jugendbewegung im Kaiserreich und in der Weimarer Republik in Verbindung mit aktuellen Werken zum Themenbereich neu sortiert hat. Herausgekommen ist dabei ein Buch, das in den Mittelpunkt Theorie und Theorierezeption in der jungsozialistischen Jugendbewegung der 20er-Jahre rückt, „dennoch ist eine reine Ideengeschichte nicht beabsichtigt“ (14). Vielmehr stellt Walter eine Verbindung her zwischen den politischen Debatten und den zahlreichen sozialen, kulturellen und ökonomischen Umbrüchen. Gleichzeitig wirft er einen Blick auf das Charisma, das die Theoretiker und Anführer der jungsozialistischen Bewegung entfalteten. Hierdurch entsteht ein sehr farbiges Bild über eine Generation, die sich „von den Fesseln jugendpflegerischer Obhut“ löste und „ihr in die Autonomie jugendlicher Eigenkultur“ (218) entglitt. Der Generationswechsel in der jungsozialistischen Bewegung brachte dann Ende der 20er-Jahre die „Kinder und Jugendlichen der Republik“ (256) in die Arbeiterbewegung, wo sie vielfach radikaler und energischer auftraten und schließlich vorläufig mit der SPD brachen. Walter deutet die „Jungsozialisten und ihre Lebensform […] daher häufig in erster Linie als Protestsymbole“ (339). Schließlich spannt er den Bogen von den Juso-Auseinandersetzungen der 20er-Jahre bis hin zum Godesberger Programm. Hierbei arbeitet er heraus, dass „der Heinrich Deist des Godesberger Programms beispielsweise nicht identisch ist mit dem des Hofgeimarkreises“ (108), wohl aber wurzeln bestimmte Gedankengänge und Beziehungen in jener Zeit.
Stephan Klecha (SKL)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen.
Rubrizierung: 2.311
Empfohlene Zitierweise: Stephan Klecha, Rezension zu: Franz Walter: "Republik, das ist nicht viel" Bielefeld: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34400-republik-das-ist-nicht-viel_41311, veröffentlicht am 03.11.2011.
Buch-Nr.: 41311
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen.
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