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/ 12.06.2013
Andreas Eis / Torsten Oppelland / Christian K. Tischner (Hrsg.)

Politik kulturell verstehen. Politische Kulturforschung in der Politikdidaktik. Festschrift für Carl Deichmann zum 65. Geburtstag

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2011 (Wochenschau Wissenschaft); 237 S.; 22,80 €; ISBN 978-3-89974625-9
In der öffentlichen Wahrnehmung wird der Zustand eines demokratischen Systems oftmals an den jeweiligen Institutionen festgemacht. Doch diese Betrachtung greift zu kurz. Das Gemeinwesen einer Republik wird grundlegend auch durch die in ihr vorhandene Kultur des Politischen beeinflusst. Diese Bedeutung in der politischen Bildung vermehrt zu verankern, sowohl schulisch als auch außerschulisch, ist ein wesentliches Anliegen von Carl Deichmann gewesen, dem diese Festschrift gewidmet ist. Die Autoren beschäftigen sich mit einer Vielzahl von thematischen Facetten der politischen Bildung. Theo Stammen schildert etwa ein Beispiel politischer Bildung im antiken Rom anhand eines damals verwendeten Schulbuches. Hierin wurden neben historischen Ereignissen und bedeutenden Staatsmännern zum Erstaunen Stammens keine Ausführungen über die Verfassung der römischen Republik getätigt. Lediglich ein „klassisches Thema der antiken Verfassungslehre“ (49), die Unterscheidung der drei Staatsformen Monarchie, Aristokratie und Demokratie sowie die auf diesen beruhende Mischverfassung Roms wird erläutert. Auch im antiken Rom, so Stammen, sei eine ausreichende politische Bildung als ein zu unterstützender Bestandteil der Erziehung betrachtet worden. Karl-Heinz Breier befasst sich mit der Bedeutung von Freundschaft für ein republikanisches Gemeinwesen. Eine angemaßte Gewaltherrschaft werde vor allem durch das Gefühl der Angst gekennzeichnet. Dabei handele es sich um Angst der Beherrschten vor den Herrschern, der Beherrschten untereinander (ein jeder könnte ja ein Spitzel sein), aber auch der Herrschenden vor dem Volk und der Möglichkeit der Auflehnung. Somit könne in einer solchen Ordnung niemand als frei betrachtet werden, auch nicht der Herrschende. Eine Republik bedürfe hingegen des Vertrauens in die Mitbürger, die nicht in autoritärer Perspektive, sondern auf Augenhöhe wahrgenommen werden. Dieses Vertrauen ermögliche es, mit anderen, also den Mitbürgern, sich politisch aktiv in der republikanischen Gemeinschaft zu engagieren. Daher sei es, so Breier, für die politische Bildung bedeutsam, die „Freundschaft zur gemeinsamen Bürgerordnung“ (62) in den Schülern zu fördern.
Arne Arps (AA)
M. A., Doktorand der Politikwissenschaft, Universität Vechta.
Rubrizierung: 1.31.12.352.2 Empfohlene Zitierweise: Arne Arps, Rezension zu: Andreas Eis / Torsten Oppelland / Christian K. Tischner (Hrsg.): Politik kulturell verstehen. Schwalbach/Ts.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14508-politik-kulturell-verstehen_41639, veröffentlicht am 19.01.2012. Buch-Nr.: 41639 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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