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/ 21.06.2013
Jost Halfmann / Falk Schützenmeister (Hrsg.)

Organisationen der Forschung. Der Fall der Atmosphärenwissenschaft

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009; 274 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-531-15789-4
Am Beispiel der Klimaforschung untersuchen die Autoren, wie mittels Organisationen mit wachsendem Ressourcenbedarf, der Notwendigkeit interdisziplinärer Kooperation und den Spannungen zwischen der Wissenschaft und politischen Entscheidungsprozessen umgegangen wird. Die Klimaforschung eignet sich dafür besonders gut, da sie von internationalen Kollaborationen und kostenintensiver technischer Infrastruktur abhängig ist. Zudem ist die Erforschung des anthropogenen Anteils an der Ozonzerstörung oder des Klimawandels an umweltpolitische Agenden und legitimatorische Paradigmen gebunden. Gesellschaftliche Probleme werden hier somit in Forschung übersetzt. Silke Beck prüft anhand der Rolle des International Panel on Climate Change (IPCC) wie einerseits wissenschaftliche Autorität und anderseits Politikberatung miteinander vereinbart wurden. Das IPCC ging diese Frage vor dem Hintergrund der starken Politisierung von Klimafragen und der notwendigen Interdisziplinarität der Forschung an. Es wurde eine mühevolle organisationsinterne Differenzierung vollzogen, die wissenschaftliche und politische Kommunikation voneinander trennte. Dennoch ist diese Lösung problembehaftet geblieben und hat gezeigt, dass Politikberatung nicht als Schiedsrichter fungieren kann. So formuliert Beck abschließend: „Betrachtet man die Verhandlungen um die Zusammenfassungen, dann zeigt sich, dass die technokratische Idee, Probleme zu rationalisieren und zu entpolitisieren, empirisch nicht haltbar ist“ (141). Beverly Crawford untersucht die Rückwirkungen des internationalen Klimaregimes auf die Forschung. Globale Umweltpolitik, so der Ansatz der Autorin, bedarf autoritativen Wissens, um Entscheidungsprozesse zu legitimieren. In der Organisationsgeschichte der IPCC spiegele sich das Bemühen, möglichst viele Wissenschaftler und auch politische Akteure einzubinden. Das führt Crawford zu dem Schluss: „Konsensuelle Wissenschaft ist politische Wissenschaft“ (247). Man müsse um der Glaubwürdigkeit der Einschätzungen willen die Austauschprozesse zwischen Wissenschaft und Politik absolut transparent gestalten.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.2 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Jost Halfmann / Falk Schützenmeister (Hrsg.): Organisationen der Forschung. Wiesbaden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29277-organisationen-der-forschung_34622, veröffentlicht am 23.09.2009. Buch-Nr.: 34622 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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