Skip to main content
/ 22.06.2013
Michael Henkel / Oliver W. Lembcke (Hrsg.)

Moderne Staatswissenschaft. Beiträge zu Leben und Werk Martin Draths

Berlin: Duncker & Humblot 2010 (Beiträge zur Politischen Wissenschaft 156); 339 S.; 79,80 €; ISBN 978-3-428-12189-2
Die politikwissenschaftliche und zeitgeschichtliche Forschung hat in den letzten Jahren nicht nur das Bundesverfassungsgericht als politischen Akteur (wieder)entdeckt, sondern auch die staats- und demokratietheoretischen Kontroversen in der Staatslehre und ihre Bedeutung für das politische System bzw. die politische Kultur der Bundesrepublik. Der heute in der Öffentlichkeit nahezu vergessene Martin Drath (1902-1976) ist in dieser Hinsicht daher gleich doppelt interessant: Als (Fakultäts-)Assistent bei Heller und Smend in Berlin zählte er wie auch Fraenkel bei Sinzheimer zur zweiten, jüngeren Weimarer Reihe, die nach 1945 die Staatsrechtslehre und Politikwissenschaft prägte – und zwar im Falle Draths auch als Verfassungsrichter (1951-1963). Aber schon zu Beginn seiner Amtszeit war er einer regelrechten Verleumdungskampagne (u. a. seitens des NS-Staatsrechtlers Otto Koellreutter) ausgesetzt. Der aus einer Tagung des Hellmuth-Loening-Zentrums für Staatswissenschaften in Jena im Jahr 2005 hervorgegangene Band zielt auf drei Themenbereiche: 1. „Person und Werk [...] in ihrem zeitgeschichtlichen Zusammenhang“. 2. „Draths Beitrag am Aufbau der Politikwissenschaft“ und 3. seine „Staatstheorie [...] vor dem Hintergrund der Weimarer Debatten“, da er „ein Konzept des Staates anbietet, das von einer modernen Gesellschaftstheorie seinen Ausgang nimmt und dabei zugleich Erkenntnisse der überkommenen Staatslehre aufgreift“ (6 f.). Nicht zuletzt in diesem sozialwissenschaftlichem Zugang – und in seiner politischen Position als Sozialist – lag Draths Außenseiterrolle im eher traditionell besetzten Gericht und in der konservativ dominierten, auch durch personelle Kontinuitäten belasteten Staatslehre begründet. Es werden besonders die Linien zu Jellinek, Schmitt, Smend und Forsthoff untersucht sowie Draths Beitrag zum Godesberger Programm der SPD und sein totalitarismustheoretischer Ansatz. Mit einem Umfang von fast 100 Seiten ragt der biografisch angelegte Beitrag von Gerd Sälzer als „Buch im Buch“ heraus.
Robert Chr. van Ooyen (RVO)
Dr., ORR, Hochschullehrer für Staats- und Gesellschaftswissenschaften, Fachhochschule des Bundes Lübeck; Lehrbeauftragter am OSI der FU Berlin sowie am Masterstudiengang "Politik und Verfassung" der TU Dresden.
Rubrizierung: 5.415.462.3 Empfohlene Zitierweise: Robert Chr. van Ooyen, Rezension zu: Michael Henkel / Oliver W. Lembcke (Hrsg.): Moderne Staatswissenschaft. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32013-moderne-staatswissenschaft_38181, veröffentlicht am 13.04.2010. Buch-Nr.: 38181 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA