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/ 11.06.2013
Max Fuchs

Mensch und Kultur. Zu den anthropologischen Grundlagen von Kulturarbeit und Kulturpolitik

Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1999; 249 S.; brosch., 59,80 DM; ISBN 3-531-13299-7
Die Frage, "was ist der Mensch?" steht im Mittelpunkt des Versuches, die theoretischen Grundlagen der Kulturpolitik und Kulturarbeit aus einem anthropologischen Blickwinkel näher zu betrachten. Die politische Dimension des Mensch-Kultur-Beziehungsgeflechts kann nach Meinung des Autors nicht unberücksichtigt bleiben, "wenn man bestimmte Vorstellungen einer 'Humanisierung' als Ziel der Kulturpolitik und der Pädagogik noch nicht völlig ad acta gelegt hat" (8 f.). In einem ersten Teil der Analyse, die sich insgesamt als Einführung in die Anthropologie für Studierende und Praktiker versteht (9), werden Antworten anderer Autoren zur Frage, was der Mensch ist, vorgestellt. In einem weiteren Abschnitt stellt Fuchs die gewonnenen Einsichten der menschlichen Entwicklung gegenüber und fragt nach der praktischen Relevanz anthropologischer Erkenntnisse. Im Mittelpunkt steht dabei das Werk Cassirers. In einem dritten Teil werden aktuelle philosophische, politische und künstlerische Diskussionen auf die Verwendung anthropologischer Denkfiguren hin untersucht (13 f.). Die Hoffnung, gesellschaftliche Entwicklungsziele und -möglichkeiten anhand eines klar umrissenen Menschenbildes umschreiben zu können, steht den negativen Erfahrungen mit Konzeptionen von der "Natur des Menschen" gegenüber. "Möglicherweise ist die Anthropologie die am meisten missbrauchte philosophische Disziplin in der Geschichte." (28) Diese Erkenntnis bildet eine wichtige und deutliche Klammer um das gesamte Buch. Fuchs zeigt auf der anderen Seite auf, dass der Topos Mensch bei der Diskussion aktueller Fragen, wie z. B. bei der nach universellen Menschenrechten, nicht ausgeklammert werden kann (137). Der Autor verdeutlicht, dass Menschenbilder in einen kulturellen Rahmen eingebettet sind und Bildung die Menschen erst in die Lage einer Herstellung von Bewusstsein gegenüber sich selbst versetzt (235). Die anthropologische Betrachtungsweise bietet für Einsteiger in das Thema eine gute Chance, eine Verbindung von Kultur, Bildung und Menschenbild im gesellschaftlichen Zusammenhang nachzuvollziehen und somit die Bedeutung von Kulturpolitik besser einordnen zu können.
Thomas Morick (TM)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.232.263 Empfohlene Zitierweise: Thomas Morick, Rezension zu: Max Fuchs: Mensch und Kultur. Opladen/Wiesbaden: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10396-mensch-und-kultur_12290, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12290 Rezension drucken
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