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/ 22.06.2013
Heiner Bröckermann

Landesverteidigung und Militarisierung. Militär- und Sicherheitspolitik der DDR in der Ära Honecker 1971-1989

Berlin: Ch. Links Verlag 2011 (Militärgeschichte der DDR 20); 953 S.; 49,90 €; ISBN 978-3-86153-639-0
Geschichtswiss. Diss. Potsdam; Gutachter: M. Görtemaker, B. Stöver. – Herrschte in der DDR ein neopreußischer sozialistischer Militarismus oder eher ein militarisierter Sozialismus? Dieser Frage geht Bröckermann nach. Vor dem Hintergrund der uneingeschränkten politischen Herrschaft der Staatspartei SED analysiert er die Entwicklung der Sicherheitsarchitektur der DDR im außenpolitischen Spannungsfeld der 70er- und 80er-Jahre. Neben den äußeren Handlungszwängen untersucht er auch die innenpolitischen – durchaus ambivalenten – Entwicklungsdeterminanten. So sollte der „militarisierte Sozialismus […] nicht nur die Sozialisten erreichen – er war [auch] Disziplinierungsmittel für die ganze DDR-Bevölkerung“ (2). Landesverteidigung und Militarisierung standen dementsprechend immer in einem ambivalenten Verhältnis. Bröckermann betrachtet äußerst detailliert die wechselseitige Beeinflussung und Bedingtheit von Politik, Militär, Landesverteidigung und gesellschaftlicher Militarisierung. Er setzt zwei Grundannahmen voraus: erstens, der Machterhalt der SED ist der Kern aller Sicherheitsanstrengungen, und zweitens, die Macht Honeckers basiert weniger auf dem Militärapparat an sich als vielmehr auf den Effekten der gesellschaftlichen Militarisierung und polizeistaatlichen Maßnahmen. Das System der Landesverteidigung – so ein Ergebnis – wurde in der Ära Honecker perfektioniert. Zum einen wurde der organisatorische Ausbau hin zum gewünschten System vorangetrieben, zum anderen fungierte das Parteiprogramm „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ als treibende Kraft für die endgültige Militarisierung aller gesellschaftlichen Gruppen. Somit wurde die Wirtschaftspolitik zum Instrument der SED-Sicherheitsarchitektur. Allerdings führte diese vorangetriebene Stärkung der Rolle der Partei nicht zwangsläufig zu einer Qualitätssteigerung der Landesverteidigung. Bröckermann kommt daher zu folgendem Fazit: „Gerade in der Endphase der DDR zeigte sich, dass die SED an den sozial kontrollierenden Effekten der Militarisierung festhalten wollte und gleichzeitig die Qualität der Landesverteidigung zugunsten ökonomischer Fragen vernachlässigte.“ (878)
Anja Franke-Schwenk (AF)
Dr. des., wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Anja Franke-Schwenk, Rezension zu: Heiner Bröckermann: Landesverteidigung und Militarisierung. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34046-landesverteidigung-und-militarisierung_40808, veröffentlicht am 29.09.2011. Buch-Nr.: 40808 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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