/ 21.06.2013
Hermannus Pfeiffer (Hrsg.)
Land in Sicht? Die Krise, die Aussichten und die Linke
Köln: PapyRossa Verlag 2009 (Neue Kleine Bibliothek 140); 217 S.; 14,90 €; ISBN 978-3-89438-414-2Die Autoren des Sammelbandes fragen, welche Ursachen die jüngste Finanzkrise hat, welche politischen Alternativen möglich sind und wie es um die Perspektiven einer linken Politik bestellt ist. Hermannus Pfeiffer stellt in seinem einführenden Beitrag heraus, dass der Kapitalismus besser sei als sein Ruf. Schließlich sei mit ihm erstmals wirtschaftliches Wachstum zum Normalfall geworden. Jedoch sei der Kapitalismus auch enorm krisenanfällig und der Autor sieht infolge der „neoliberalen Entgrenzung der Märkte seit Mitte der siebziger Jahre“ (9) einen Trend der gewachsenen Labilität des kapitalistischen Systems. Dessen üppige Warenproduktion, so Pfeiffer, sättige schließlich auch die Märkte, zudem produziere er aus sich heraus immer mehr Arbeitslosigkeit und Niedriglohnarbeit. Die Expansion des Systems in neue Märkte wie Indien oder China verschaffe ihm jedoch eine gewisse Stabilität im Sinne einer Atempause. Zukünftig, so der Autor, müsse die Politik wieder mehr gestalten, der Staat und die Bürger aktiver werden: „Die richtige Regulation des Kapitalismus kann daher geradezu revolutionär auf diesen wirken“ (15). Pfeiffer illustriert am Beispiel der dem Allgemeinwohl verpflichteten Ausschreibungsnormen für Bahnbetriebe in der Schweiz, wie diese „zivile Märkte schaffen [können], ohne den ökonomischen Anreiz zu ersticken“ (16). Michael Schlecht widmet sich den Alternativen zur Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft. Anhand der Leistungsbilanzen beispielsweise der USA oder Chinas beschreibt der Autor, dass mit dem Zusammenbruch der Kreditblase nach der Finanzkrise etwa fünfzehn Prozent der deutschen Exporte keine Gegenposition mehr haben. Die deutsche Wirtschaftspolitik müsse sich insofern wandeln, als nicht die Exporte zurückgefahren, sondern die Importe erhöht werden sollten, so Schlecht. Er führt jedoch aus, dass dies nur mit einer nachfrageorientierten Stärkung der Binnenwirtschaft gelingen könne. Die bedeutet für ihn auch das Ende der Lohnzurückhaltung, eine Vermögenssteuer und einen „vergesellschafteten Bankensektor“ (102).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2 | 4.43 | 2.26 | 2.22 | 2.34 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Hermannus Pfeiffer (Hrsg.): Land in Sicht? Köln: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31431-land-in-sicht_37415, veröffentlicht am 28.01.2010.
Buch-Nr.: 37415
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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