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/ 21.06.2013
Birger P. Priddat

Karl Marx. Kommunismus als Kapitalismus 2ter Ordnung: Produktion von Humankapital. Essays

Marburg: Metropolis-Verlag 2009 (Ökonomische Essays 13); 118 S.; 12,80 €; ISBN 978-3-89518-712-4
Trotz des Niedergangs des real existierenden Sozialismus sieht der Autor nach wie vor eine intellektuelle Potenz in Marx’ Werk „in Richtung eines tastenden Modernisierungsdenkens“ (8). Insbesondere im seinem dritten Essay beschreibt Priddat dessen ökonomische Konzeption als „Ökonomie der Zeit“ (31), in der es vor allem um die freie Entwicklung der Individualität und Bildung gehe. Durch erfolgreiche Technisierung verbleibe den Menschen im Produktionsprozess mehr freie Zeit, die sie für andere Produktionen unter und für sich selbst verwenden könnten. Weiter führt der Autor aus: „Eben dies ist die Struktur, die Marx Kommunismus nennt: eine Struktur der wechselseitigen Produktion der Menschen als Menschen – qua Bildung“ (37). Damit sieht Priddat in Marx‘ Kommunismus wie er ihn versteht, eine nahezu liberale Konzeption. Denn der Kommunismus gebe den Menschen individuelle Freiheit zur Entwicklung, und sollte zudem gewährleistet sein, dass es keine ausbeuterischen Kapitalverhältnisse gibt, hat der Autor auch keine Einwände gegen Eigentum und Besitz. Ferner sei die freie Zeit Grundlage politischer Partizipation; so werde „endlich die abendländische Option eingelöst, mit einer Revolution Politik allen Menschen zugänglich zu machen“ (55). Gleichwohl formuliert der Autor einschränkend eine Art Bildungs-Elite-Modell: „Kommunismus ist kein Humanismus in dem Sinne, dass er für alle Menschen sui generis gilt. Die Freiheit, politisch zu agieren, muss man sich durch ‚höhere Tätigkeit‘ erarbeiten“ (57). Außerdem setzt sich Priddat mit dem Denken Elmar Altvaters auseinander. Mit der Erosion der Normalarbeitsverhältnisse schwänden jene Normen, die einen Bezugspunkt aller Gesellschaftsmitglieder darstellten. Der Wohlfahrtsstaat setzt diesem Prozess eigentlich Grenzen, aber „der Erfolg des Kapitalismus als Globalisierungsinstanz sprengt diese Institutionen, verflüssigt sie, weshalb die Konnotation Globalisierung = grenzenloser Kapitalismus Verwendung findet“ (117). Ob sich globale wohlfahrtsstaatliche Arrangements finden lassen, die die Krisentendenzen des Kapitalismus eindämmen, bleibt eine offene Frage.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.15.335.46 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Birger P. Priddat: Karl Marx. Kommunismus als Kapitalismus 2ter Ordnung: Produktion von Humankapital. Marburg: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31501-karl-marx-kommunismus-als-kapitalismus-2ter-ordnung-produktion-von-humankapital_37503, veröffentlicht am 15.12.2009. Buch-Nr.: 37503 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA