/ 22.06.2013
Andreas Exner / Peter Fleissner / Lukas Kranzl / Werner Zittel (Hrsg.)
Kämpfe um Land. Gutes Leben im postfossilen Zeitalter
Wien: Mandelbaum Verlag 2011 (kritik & utopie); 255 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-85476-603-2„Das Ende des Erdöls ist vermutlich das Ende des Kapitalismus, zumindest so wie wir ihn kennen“, schreibt der Ökologe Andreas Exner. „Aber auf Ausbeutung, soziale Ungleichheit, Hunger und einen Haufen Schrott verzichtet man doch gern.“ (234 f.) Mit diesem Schlusswort positioniert er noch einmal diesen Band, in dem der jetzige wirtschaftliche wie politische globale Zustand unübersehbar aus marxistischer Perspektive analysiert wird, mit entsprechend negativen Ergebnissen. Übersieht man die praktischen wie theoretischen Unstimmigkeiten dieser Herangehensweise, lassen sich die informativen, viele nachdenkenswerte Aspekte aufwerfenden Beiträge mit großem Gewinn lesen. Eingangs skizzieren Elmar Altvater und Margot Geiger, warum wir uns in einer Mehrfachkrise befinden, angesichts derer weiteres Wachstum kein guter Ratschlag sei. Sie begründen diese Aussage mit den sozialen Grenzen des Wachstums, „der Erschöpfung der Rohstoffquellen und der Überlastung der Schadstoffsenken“ (18) und umreißen damit ein zentrales Thema des Bandes. Das Überschreiten der maximalen Erdöl-Förderrate ist dabei allerdings nur ein Teil der sich wandelnden Vorraussetzungen bisherigen Wirtschaftens. Erörtert wird außerdem u. a. die Endlichkeit der Biomasse, die Autoren warnen davor, dass ein unkontrollierter Ausbau der Nutzung zu Landkonflikten führen könnte. Das sich bereits andeutende Ausmaß dieser Konflikte stellt u. a. Exner in einem Beitrag über das Land Grabbing vor, der neben vielen wichtigen Informationen auch den Hinweis enthält, dass China entgegen eines weitverbreiteten öffentlichen Vorurteils keine herausgehobene Rolle in der Landnahme (vor allem in Afrika) spiele, sondern (auch) deutsche und österreichische Unternehmen wichtige Akteure sind. Diskutiert werden die negativen Aspekte der profitorientierten Landnahme bis hin zu einer weiteren oder sogar noch verstärkten Benachteiligung von Frauen. Bemerkenswert an diesem wie auch den anderen Beiträgen ist, dass die Autoren mit historischen Längsschnitten arbeiten, die Geschichte dabei allerdings nicht als festen Prozess betrachten, sondern als Hinweisgeber für mögliche künftige Entwicklungen. So wird unter Rückgriff auf den kleinteiligen Wandel der feudalen Gesellschaft in eine kapitalistische die Bedeutung sozialer Nischen und kleiner Anfänge betont. Dem Staat wird daher nur eine Rolle als „Ermöglicher einer Wachstumsrücknahme“ (217) zugeschrieben, eine solidarische Postwachstumsökomonie, die die Autoren als Ziel des gebotenen Wandels benennen, sollte über Selbstverwaltung und kooperative Netze von der kommunalen Ebene aus entstehen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.2 | 2.26 | 4.43 | 4.45
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Andreas Exner / Peter Fleissner / Lukas Kranzl / Werner Zittel (Hrsg.): Kämpfe um Land. Wien: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34489-kaempfe-um-land_41424, veröffentlicht am 05.04.2012.
Buch-Nr.: 41424
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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