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/ 17.06.2013
Carlo Jordan

Kaderschmiede Humboldt-Universität zu Berlin. Aufbegehren, Säuberungen und Militarisierung 1945-1989

Berlin: Ch. Links Verlag 2001 (Forschungen zur DDR-Gesellschaft); 247 S.; brosch., 25,46 €; ISBN 3-86153-253-0
Diss. Berlin; Gutachter: B. Rabehl. - Die Berliner Humboldt-Universität war eine der wichtigsten Hochschulen der DDR, die als Kaderschmiede für die Besetzung von Führungspositionen diente. Wesentliche Merkmale dieser Hochschule waren der enge Bezug zum Militär und militärähnliche Strukturen - womit die Universität übrigens entgegen der offiziellen Darstellung tatsächlich an preußische Traditionen anknüpfte. Zudem hatten die Nachkriegs-Führungskader nicht selten eine braune Vergangenheit, die allerdings zumeist verborgen blieb. Trotz der strengen Disziplin gab es immer wieder Widerstand, auch wenn nicht von Studentenbewegungen wie im Westen gesprochen werden kann. Die Arbeit zeichnet einerseits dieses Aufbegehren und andererseits die nicht selten harten Reaktionen mit Disziplinarmaßnahmen und Säuberungsaktionen nach, bei denen das MfS ebenso wie die Partei und das Militär eine wichtige Rolle spielten. Zugleich macht sie deutlich, wie die DDR ihre Eliten rekrutierte, ausbildete und disziplinierte. Inhaltsübersicht: Die Wiedereröffnung der Linden-Universität: Entnazifizierung und Absage an den preußischen Militarismus; Die Übernahme des militärisch geprägten sowjetischen Universitätsmodells; Der Aufbau des Sozialismus an der Humboldt-Universität mit nationalsozialistisch geprägten Rektoren; Einheit von Säuberung und Militarisierung: Vor und nach dem 17. Juni 1953; Der XX. Parteitag der KPdSU und die Folgen an der Humboldt-Universität; Säuberungen nach dem Tauwetter 1956; Disziplinierung durch Militarisierung; Kader für die Kollektivierung der Landwirtschaft, den Mauerbau und die Nationale Volksarmee; Humboldt-Studenten und die internationale Studentenbewegung zwischen Westberlin und Prag; 1975: Äußere Entspannung und forcierte innere Militarisierung; Aufbruch der Oppositionsbewegung der 80er Jahre - Offizieren stand jeder Studienplatz offen; Wende und Ende der Kaderschmiede.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Carlo Jordan: Kaderschmiede Humboldt-Universität zu Berlin. Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15894-kaderschmiede-humboldt-universitaet-zu-berlin_18167, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18167 Rezension drucken
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