/ 12.06.2013
Holm Sundhaussen
Jugoslawien und seine Nachfolgestaaten 1943-2011. Eine ungewöhnliche Geschichte des Gewöhnlichen
Wien/Köln/Weimar: Böhlau Verlag 2012; 567 S.; 59,- €; ISBN 978-3-205-78831-7Mit seiner großangelegten Darstellung Jugoslawiens nach 1943 knüpft der Berliner Historiker Sundhaussen an die ebenfalls aus seiner Feder stammende erste, 1982 erschienene Synthese dieser Geschichte an. Er liefert damit eine wichtige und lehrreiche Ergänzung zu Marie-Janine Calics vor zwei Jahren erschienenem Überblickswerk, in dem das gesamte 20. Jahrhundert in den Blick genommen wird (siehe Buch-Nr. 39656). Im Gegensatz zum Ende der Sowjetunion war die Auflösung Jugoslawiens in den 1990er-Jahren von massiver Gewalt begleitet. Dieser Unterschiedlichkeit zum Trotz schreibt Sundhaussen seine Geschichte als ein „Lehrstück des Alltäglichen, der Banalität“ (12) – der Alltäglichkeit menschlicher Verhaltensweisen nämlich. Bereits der erste jugoslawische Staat der Zwischenkriegszeit, der „im Krieg entstanden und untergegangen“ (13) war, vereinte eine große Vielfalt von Kulturen und Ethnien in sich. Das Experiment ihres Zusammenlebens erfuhr im Inneren wie im Äußeren und in wechselnder Intensität auch nach 1943 sowohl Ablehnung als auch Zustimmung, wie in zwei großen Abschnitten zur Zeit vor und nach 1991 deutlich wird. Neben einem fehlenden rechtsstaatlichen Institutionengefüge und einer fehlenden Zivilgesellschaft war es nach Ansicht des Autors vor allem dann das Verhalten der politischen Eliten, das in die kriegerische Auflösung des Staates führte: „Es war schockierend, wie große Teile der Gesellschaft unter dem propagandistischen Beschuss ihrer ,Führer‘ kollektiv den Verstand aufgaben“ (516). Als divergent erweist sich heute die Erinnerung an das untergegangene Staatengebilde in seinen Nachfolgestaaten, von denen Sundhaussen wohl zu Recht nur Slowenien als wirklich konsolidiert beschreibt. Zur besseren Illustrierung wäre in Ergänzung zu den zahlreichen Abbildungen eine Karte zur Zeit vor 1991 wünschenswert gewesen – eine zur heutigen staatlichen Verfasstheit der Region wird im Inneneinband dafür gleich zweimal abgedruckt.
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.61 | 4.1 | 4.41 | 2.2 | 2.22 | 2.25 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Holm Sundhaussen: Jugoslawien und seine Nachfolgestaaten 1943-2011. Wien/Köln/Weimar: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14522-jugoslawien-und-seine-nachfolgestaaten-1943-2011_42788, veröffentlicht am 30.08.2012. Buch-Nr.: 42788 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenM. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
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