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/ 22.06.2013
Alexander Bogner / Karen Kastenhofer / Helge Torgersen (Hrsg.)

Inter- und Transdisziplinarität im Wandel? Neue Perspektiven auf problemorientierte Forschung und Politikberatung

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (Wissenschafts- und Technikforschung 4); 369 S.; 34,- €; ISBN 978-3-8329-5187-0
Die Autoren analysieren in elf Beiträgen Ursachen, Entwicklungen sowie gesellschaftliche und wissenschaftliche Konsequenzen von Inter- und Transdisziplinarität. Im Zentrum stehen dabei weniger wissenschaftsinterne Fragestellungen (das analytische Hinausblicken über den Tellerrand der eigenen Disziplin), sondern vor allem das Zusammenspiel von wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen (gesellschaftlichen) Prozessen in deliberativen Politikberatungsforen und Expertenkommissionen. In den Beiträgen wird anhand unterschiedlicher empirischer Fallbeispiele sehr schön verdeutlicht, wie sich eine „Normalisierung durch Praxis, d. h. [ein] Anschluss von Inter- und Transdisziplinarität an den etablierten Wissenschaftsbetrieb“ (15) beobachten lässt. Auch ziehen derartige Normalisierungsprozesse eine ganze Reihe neuer Herausforderungen und Probleme nach sich, die auf der komplexen Interaktion zwischen ethischen Normen, unabhängiger Wissensproduktion, gesellschaftlichen Interessen sowie politisch-ökonomischen Machtkonstellationen beruhen. So fördert etwa die Integration der Wissenschaft in politische Strukturen den Prozess ihrer Neoliberalisierung (Beitrag von Maasen), gleichzeitig verändert die Arbeit von Expertenkommissionen in der Praxis anerkanntes Wissen und gesellschaftliche Diskurse, anstatt – was das eigentliche Ziel sein sollte – auf der Grundlage von objektiv vorhandenem Wissen Problemlösungsprozesse in Gang zu setzen (u. a. Beitrag von Brown). Zudem wird in mehreren Beiträgen das Spannungsfeld beschrieben, welches sich zwischen der Notwendigkeit disziplinübergreifenden Denkens und partizipativen Beteiligungsformen einerseits und der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung disziplinförmiger Mechanismen im Deliberationsprozess andererseits ergibt. Insgesamt setzen die Autoren einem oberflächlichen und romantisierenden Zugang zur Interdisziplinarität eine differenzierte Problematisierung unterschiedlicher Ebenen und Mechanismen entgegen. Viele der Beiträge zeigen zugleich Richtungen auf, welche die Vereinbarkeit von problemlösungsorientiertem Handeln einerseits und demokratischer Willensbildung andererseits fördern können.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.2 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Alexander Bogner / Karen Kastenhofer / Helge Torgersen (Hrsg.): Inter- und Transdisziplinarität im Wandel? Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32356-inter--und-transdisziplinaritaet-im-wandel_38604, veröffentlicht am 19.10.2010. Buch-Nr.: 38604 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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