/ 11.06.2013
Wolfgang Abendroth (Hrsg.)
Gesammelte Schriften. Band 1: 1926-1948. Hrsg. und eingeleitet von Michael Buckmiller, Joachim Perels und Uli Schöler
Hannover: Offizin 2006; 585 S.; kart., 34,80 €; ISBN 978-3-930345-47-2An Wolfgang Abendroth (1906-1985) scheiden sich immer noch die Geister. Seine treue Anhängerschaft verehrt den Meister in apologetischen Veröffentlichungen von unterschiedlicher Qualität, während seine Gegner dem überzeugten Marxisten einen Hang zum Totalitarismus sowjetischer Prägung unterstellen. Unbestreitbar sind Abendroths persönlicher Mut in der Zeit des Nationalsozialismus, seine Verdienste um die Etablierung der Politikwissenschaft als Universitätsdisziplin, seine Interpretation des „Sozialstaatsgebotes“ als Beitrag zur Pluralisierung der Grundgesetzinterpretation und letztlich auch seine Bemühungen um eine Versöhnung von Sozialismus, bürgerlichen Freiheitsrechten und parlamentarischer Demokratie. Die gesammelten Schriften Abendroths werden einen gründlicheren – damit hoffentlich auch differenzierteren – Blick auf das Gesamtwerk erlauben. Die auf acht Bände angelegte Edition ordnet die Schriften chronologisch, die letzten beiden Bände bleiben der Korrespondenz Abendroths vorbehalten. Insbesondere die Briefbände lassen zeitgeschichtlich hochinteressantes Material erwarten. In diesem ersten Band sind Publikationen aus den Jahren 1926 bis 1948 versammelt. In den Schriften dieser Jahre ist gewissermaßen ein „doppelter“ Abendroth zu erleben: einerseits der politisch engagierte Intellektuelle, der vor allem gegen abweichende Positionen innerhalb der Arbeiterbewegung polemisiert; andererseits der Jurist, der nüchtern und kenntnisreich sein Handwerk – dokumentiert vor allem in der völkerrechtlichen Dissertation – ausübt. Gerade die Publikationen aus der Zeit der Tätigkeit als Regierungsrat und Staatsrechtslehrer in der östlichen Besatzungszone von 1946 bis 1948 zeigen deutlich, wie der Marxist Abendroth (der sich weigerte, der SED beizutreten) für rechtsstaatliche Grundsätze in der SBZ eintrat. Dieser erste Band führt bisher sehr entlegene Schriften zusammen und erlaubt damit einen schönen Einblick in Abendroths wissenschaftliche und politische Prägephase.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.46 | 2.3 | 2.331 | 2.22 | 4.1
Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Wolfgang Abendroth (Hrsg.): Gesammelte Schriften. Band 1: 1926-1948. Hannover: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9531-gesammelte-schriften-band-1-1926-1948_30707, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30707
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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