/ 20.06.2013
Peter Massing (Hrsg.)
Gentechnik. Eine Einführung
Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2007 (uni studien politik); 158 S.; 8,80 €; ISBN 978-3-89974251-0Trotz langjähriger Debatte zur Gentechnik bestünden, so die Ausgangsannahme des Herausgebers, in der Öffentlichkeit erhebliche, gar wachsende Informationsdefizite zu diesem Thema. Wenngleich in zahlreichen Studien konstatiert wurde, dass es keinen linearen Zusammenhang zwischen Wissensstand über und Einstellung zur Gentechnik gibt im Sinne von „mehr Wissen = positivere Einstellung“, so stellt dies doch eine Herausforderung für die politische Bildung dar. In den gut lesbaren und aktuellen Beiträgen wird dieser Herausforderung in dieser Publikation Rechnung getragen. Der Titel lässt eine Einführung in die Gentechnik erwarten, tatsächlich konzentrieren sich die Autoren des Sammelbandes aber primär auf den Bereich der „roten“ oder humanmedizinischen Gentechnik. So werden im Eingangskapitel zur Problematik der Gentechnik für Politik und politische Bildung ausschließlich Beispiele aus dem humanmedizinischen Bereich gewählt. Im Beitrag über Ethik setzt sich diese Schwerpunktsetzung ebenso fort wie im nächsten Kapitel, welches sich der Schnittstelle von Humangenetik mit Fortpflanzungstechnologien anhand von Präimplantationsdiagnostik und Stammzellforschung widmet. Innovativ ist der Beitrag, der die Problematik der Verbindung der roten Gentechnik mit Nanotechnologien sowie mit Neuro- und Kognitionswissenschaft diskutiert und nach den anthropologischen Konsequenzen fragt. Der einzige Beitrag zur „grünen“ Gentechnik illustriert, dass sich ein regulatives Mehrebenensystem aus nationaler, EU und globaler Ebene entwickelt hat. Bereits dieses Kapitel betont den wachsenden Einfluss zivilgesellschaftlicher Akteure. Dies wird im letzten Beitrag zu Bürgerkonferenzen deutlich. In solch partizipativer Technikfolgenabschätzung wird für Deutschland wie für die EU-Ebene eine Chance zur Demokratisierung und gegen Politikverdrossenheit gesehen. Die so genannte „graue“ industrielle Gentechnik wird nicht berücksichtigt, was der öffentlichen Diskussion entspricht. Gleichwohl wäre zumindest ein kurzer Überblick sinnvoll, da die Problematik der Gentechnik neben der Risikowahrnehmung auch in ihrem Charakter als Querschnittstechnologie liegt.
Gabriele Abels (GAB)
Prof. Dr., Professur für Innen- und EU-Politik, Universität Tübingen.
Rubrizierung: 2.263 | 2.343
Empfohlene Zitierweise: Gabriele Abels, Rezension zu: Peter Massing (Hrsg.): Gentechnik. Schwalbach/Ts.: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25620-gentechnik_29726, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29726
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Prof. Dr., Professur für Innen- und EU-Politik, Universität Tübingen.
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