/ 22.06.2013
Iris Karabelas
Freiheit statt Sozialismus. Rezeption und Bedeutung Friedrich August von Hayeks in der Bundesrepublik
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2010; 250 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-593-39289-9Karabelas fragt, durch wen und in welchem Maße von Hayeks Ideen in der Bundesrepublik aufgenommen wurden. Die Autorin hat sich durch Myriaden von Nachlassquellen von Hayeks und seiner Weggefährten aus Politik und Wissenschaft gearbeitet. Ihr Ergebnis eröffnet daher auch ein Panorama der intellektuellen und politischen Kultur Westdeutschlands. Karabelas unterscheidet vier Phasen der von-Hayek-Rezeption und resümiert, dass er sich der Subsumtion unter bestimmte Denkschemata entzieht. So können die Nachkriegsjahre im Zeichen ordoliberalen Denkens und die 70er-Jahre mitsamt der Auseinandersetzung um die Neue Linke als Blütezeit von Hayeks firmieren. Die erste Rezeptionslinie nahm ihn vorrangig als Ökonomen wahr, während letztere in ihm einen sozialphilosophisch inspirierten Mahner wider den schleichenden Totalitarismus im Namen des demokratischen Sozialismus sah. Folgerichtig argumentiert Karabelas, dass die vermeintliche kulturelle Hegemonie des Neoliberalismus mit Beginn der 80er-Jahre nicht nur eine Fehlwahrnehmung ist und die Entwicklung in der Bundesrepublik in diesem Zeitraum kaum auf das Gedankengut von Hayeks zurückgeführt werden kann. Vielmehr wird von Hayek bereits zuvor von selbsternannten Neoliberalen wie Alexander Rüstow als „Paläoliberaler“ (100), d. h. als Verfechter eines Laissez-faire-Liberalismus, ausgemacht. Die von-Hayek-Rezeption durch die westdeutschen Konservativen war nach Karabelas wesentlich durch die Auseinandersetzung mit der Neuen Linken bestimmt. Indem sie allerdings die Unvereinbarkeit der Staatstheorie von Hayeks und Carl Schmitts ohne Begründung als selbstverständlich postuliert, beraubt sie sich eines wichtigen Analyseinstruments. Von Hayek und Schmitt legten die Gefahren eines quantitativ totalen Interventionsstaates aus unterschiedlichen Blickwinkeln offen. Von Hayek lässt sich in diesem Sinne zwar als Kritiker des Wohlfahrtsstaates ausmachen, zugleich jedoch als Verfechter einer freiheitlich verfassten Ordnung bezeichnen.
Ellen Thümmler (ET)
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.46 | 5.45 | 5.43 | 2.313 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Ellen Thümmler, Rezension zu: Iris Karabelas: Freiheit statt Sozialismus. Frankfurt a. M./New York: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32817-freiheit-statt-sozialismus_39194, veröffentlicht am 19.11.2010.
Buch-Nr.: 39194
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Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
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