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/ 20.06.2013
Lutz Roemheld (Hrsg.)

Erinnerung an P.-J. Proudhon. Zur Aktualität seines Denkens für die Zukunft der Sozialdemokratie

Münster: Lit 2004 (Politik: Forschung und Wissenschaft 15); 291 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 3-8258-8292-6
„Eigentum ist Diebstahl“ – ist außer dieser berühmt-berüchtigten Formel noch etwas von Proudhon in Erinnerung geblieben? Tatsächlich ist der frühsozialistische französische Gesellschaftstheoretiker des 19. Jahrhunderts und zeitweilige Abgeordnete der Nationalversammlung fast in Vergessenheit geraten. Neben Marx und dessen revolutionären Ideen war für ihn, der auch in Fragen der Produktionsverhältnisse auf einen kritischen Dialog aller Beteiligten setzte, kein Platz. Nach dem praktischen Scheitern des auf dem Marxismus basierenden Sozialismus wollen Herausgeber und Autoren mit Proudhon den Vertreter einer libertärsozialistischen Idee vorstellen, der gleichwohl zu den geistigen Vätern des Sozialismus und der Sozialdemokratie zu zählen ist. Aus seinen Schriften seien vielleicht auch heute noch Orientierungshilfen für eine moderne linke Politik zu entnehmen, so Roemheld. Gemeint ist damit sicher nicht Proudhons überaus frauenfeindliche Haltung, die in diesem Band nicht unterschlagen wird. Diese sei durchaus geeignet, dessen gesamtes Werk in Misskredit zu bringen, schreibt Jürgen Bozsoki. Vorgestellt werden aber auch andere Aspekte seines Lebens und Werkes, vor allem die ökonomischen Überlegungen. Diese werden entsprechend ihrer Entstehungsgeschichte in Auseinandersetzung mit den Schriften von Marx analysiert, sodass die gesellschaftstheoretischen Debatten des 19. Jahrhunderts auszugsweise sichtbar werden. Aus dem Inhalt: I. Vergessen? – Erinnern! Oder: Annäherung an einen Unbekannten Lutz Roemheld: Warum noch an Proudhon erinnern? – zu einer vielleicht (nicht?) unzeitgemäßen Frage (5-11) Jürgen Bozsoki: Proudhon – Der „vergessene“ Ökonom: Widersprüche, Auseinandersetzungen, Missverständnisse und der Aktualitätsbezug seiner Lehre für die Linke (12-22) II. Politik Lutz Roemheld: Pierre-Joseph Proudhon – philosophisch-politische Perspektiven für Europa (23-66) Lutz Roemheld: Proudhon – ein Föderalist (67-78) Lutz Roemheld: Proudhons politisches Föderalismuskonzept (79-89) Lutz Roemheld: „Antagonismus“ als zentrale Kategorie der Völkerrechtslehre Pierre-Joseph Proudhons (90-111) Lutz Roemheld: Zu Proudhons Friedens- und Konflikttheorie (112-140) III. Wirtschaft Gerhard Senft: Wirtschaft – Macht – Ungleichheit: Zum Stellenwert der Kapitalismuskritik Pierre-Joseph Proudhons in der Theoriegeschichte der Nationalökonomie (141-165) Thierry Menuelle: Die tatsächliche Wirtschaft, oder: Wie die politische Ökonomie zu revolutionieren ist (166-198) Myriam Geay: Proudhon und der internationale Handel, oder: Wie den gesellschaftlichen Fortschritt internationalisieren? (199-221) Bernard Voyenne: Streiks und Klassenkonflikte – die Sicht Proudhons (222-232) IV. Gesellschaft Marie-Françoise Lévy: Proudhons Auffassung von Frau und Ehe (233-242) Lutz Roemheld: Vom Herrschaftsinstrument zum sozialgebundenen Produktiveigentum (243-256) Lutz Roemheld: Proudhons Gedanken über Arbeit im 19. Jahrhundert – zur Frage ihrer Bedeutung im 21. Jahrhundert (257-268) Lutz Roemheld: Bemerkungen zur „Philosophie des Elends“ – zur wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Relevanz des „System der ökonomischen Widersprüche“ (269-278)
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.33 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Lutz Roemheld (Hrsg.): Erinnerung an P.-J. Proudhon. Münster: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24071-erinnerung-an-p-j-proudhon_27708, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 27708 Rezension drucken
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