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/ 05.06.2013
Uli Schöler

Ein Gespenst verschwand in Europa. Über Marx und die sozialistische Idee nach dem Scheitern des sowjetischen Staatssozialismus

Berlin: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 1999 (Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung, Reihe Politik- und Gesellschaftsgeschichte 52); 367 S.; hardc., 48,- DM; ISBN 3-8012-4095-9
Der Autor, Politikwissenschaftler, Sekretär der Grundwertekommission beim Parteivorstand der SPD und Leiter des Präsidialbüros des Deutschen Bundestages, beklagt, daß seine Partei keine echte sozialistisch-theoretische Zukunftsvision besitzt (11). Als Vorbedingung für die Entwicklung einer solchen Vision sei eine Bestandsaufnahme des sozio-ökonomischen Scheiterns des sowjetischen Modells vorzunehmen. Ein zweiter Schritt enthalte sodann "eine Neulektüre und - in der kritischen Sozialwissenschaft so wohl erstmalig vorgenommenen - Systematisierung der aus der analytischen Betrachtung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsformation gewonnenen Überlegungen von Karl Marx und Friedrich Engels über Funktion und Struktur einer sozialistischen Übergangsökonomie wie -gesellschaft" (18). Abschließend müssen diese Ergebnisse auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts angewendet werden; als da wären Globalisierung, ökologische Gefährdungen, der Übergang zur Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft, die "Revolutionierung der Geschlechterverhältnisse" (324) und die "internationale Schere zwischen Arm und Reich und der Weltfrieden" (329). Es ist bemerkenswert, daß der Autor dieses Programm als "bescheiden" (18) bezeichnet. Im revidierten und vom historischen Ballast entschlackten Ansatz von Marx und Engels findet Schöler eine Alternative, die neoliberalen Ordnungsmodellen gegenübergestellt werden soll. Das Buch versteht sich als ein Beitrag zu einem solchen Diskurs, weniger als eine rein politikwissenschaftliche Analyse. Inhaltsübersicht: 1. Thematische und methodische Einführung; 2. Die Praxis: Die Herausbildung des "staatssozialistischen Typus" und die Bedingungen seines Scheiterns; 3. Die Theorie: Sozialismus nach Marx und Engels und sowjetischer "Staatssozialismus"; 4. Praxis und Theorie: Für welche (Fehl-)Entwicklungen tragen Marx und Engels Verantwortung?; 5. Eine Auswertung: Was bleibt vom Denken von Marx und Engels nach dem "Jahrhundertexperiment" Sowjetunion?; 6. Erste Deutungsversuche in und nach dem Zusammenbruch; 7. Die Lehren des "kurzen 20. Jahrhunderts": Über Marx und die sozialistische Idee im 21. Jahrhundert; 8. Ein Ausblick: Sozialistisches Denken im Angesicht der fünf großen Herausforderungen unserer Zeit.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.432.622.22 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Uli Schöler: Ein Gespenst verschwand in Europa. Berlin: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8004-ein-gespenst-verschwand-in-europa_10598, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10598 Rezension drucken
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