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/ 05.06.2013
Ekkehart Krippendorff

Die Kunst, nicht regiert zu werden. Ethische Politik von Sokrates bis Mozart

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1999; 466 S.; geb., 28,63 €; ISBN 3-518-41039-3
Gelegentlich trifft man auf Bücher, die sich eigentlich einer Besprechung entziehen - und dieser Band gehört dazu. Schon der Titel und Untertitel deuten das Problem an, das sich für den Rezensenten stellt; Krippendorff legt hier eine Art von Essaysammlung vor, die Politik und Ethik, Geschichte und Kulturgeschichte miteinander verwebt und damit doch zugleich ein zusammenhängendes Netz schafft, dessen innere Konsistenz auch in den vielen Rück- und Querbezügen deutlich wird, die den Leser immer wieder auf andere Teile des Bandes zurückführen. Der Autor selbst nennt die einzelnen Kapitel "Bruchstücke einer Konfession, die gar nicht den Anspruch erhebt, eine systematische 'Lehre' oder gar Theorie zu entwickeln, sondern die eine Art Bilanz aus fast 40 Jahren akademischer Lehr-, Schreib-, Forschungs- und Diskussionstätigkeit zieht" (7). Das mag so sein, aber dahinter stehen doch Krippendorffs auch in anderen Zusammenhängen geäußerten politischen und politikwissenschaftlichen Ansichten, die in Fragen von Krieg und Frieden, von Entwicklung und Abhängigkeit, von Bürgergesellschaft und Autorität stets Stellung bezogen haben. Ein weiteres Leitmotiv, das das ganze Buch durchzieht, ist die kritische Auseinandersetzung mit den USA, die zugleich Distanz und Nähe deutlich macht. Die einzelnen Themen dieser Sammlung können dabei alle aus dem reichen Schatz abendländischer (und darüber hinausgehender) Kultur und Bildung schöpfen, und auch wenn man (wie der Rezensent) mit vielen der geäußerten politischen Ansichten Probleme hat, kann man doch nicht verkennen, dass hier ein nachdenkliches und zum Nachdenken anregendes Buch erschienen ist, das neben seinen anderen Vorzügen auch durch die souveräne Art des Schreibens jenseits des Fachlichen einfach Spaß macht bei der Lektüre. Polis und Ästhetik, Philosophie, Literatur und Musik, und die Wirkung aller auf unsere heutige Politik - "wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen", und Krippendorf hat viel gebracht. Inhalt: 1. Kritik der Politik; 2. Die Entdeckung der Politik durch das Theater; 3. Sokrates und die Entdeckung der politischen Philosophie; 4. Platos politische Aktualität; 5. Der Peloponnesische Krieg; 6. Abstraktion und Herrschaft; 7. "Small is Beautiful"; 8. Laotse - Kungfutse - Ashoka; 9. Die radikalste Politik-Kritik: Gandhi; 10. Rache und Politik; 11. Intellektuellen-Ehre und -Unehre; 12. Künstler und Krieg; 13. Ästhetische Bildung; 14. Kunst und Gedächtnis; 15. Was heißt, sich historisch orientieren?; 16. Links und Rechts; 17. "Die wahre Politik kann keinen Schritt tun, ohne vorher der Moral gehuldigt zu haben"; 18. Die wissenschaftliche Haltung; 19. Der feministische Blick; 20. Militärkritik; 21. Konfuzius in Weimar; 22. Das Vorbild; 23. Zwei Versuche der Rekonstruktion der Politik aus dem Geiste der Musik; 24. Die beglaubigte Hoffnung der Freiheit: Mozart. Anhang: Yehudi Menuhin: Was ist Friede (1979); Zwei Briefe.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.445.32.64 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Ekkehart Krippendorff: Die Kunst, nicht regiert zu werden. Frankfurt a. M.: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8226-die-kunst-nicht-regiert-zu-werden_10844, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10844 Rezension drucken
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