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/ 21.06.2013
Pierre Bourdieu / Jean-Claude Passeron

Die Erben. Studenten, Bildung und Kultur. Aus dem Französischen von Stephan Egger und Eva Kessler

Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2007 (édition discours 41); 175 S.; geb., 22,- €; ISBN 978-3-89669-687-8
„Die Erben“ ist die deutsche Übersetzung des bereits 1964 erschienenen französischen Bandes von Bourdieu und Passeron zum Bildungsprivileg. Alle drei Kapitel kreisen um die Fragen, wie sich soziale Gruppen herstellen, immer aufs Neue reproduzieren und, schließlich, welche Rolle das Bildungssystem bei der „Vererbung“ gesellschaftlicher Chancen spielt. Die Erkenntnisse hierzu basieren maßgeblich auf empirischen Erhebungen, die die Autoren mit und unter Studierenden zu Beginn der 60er-Jahre in Frankreich durchgeführt haben. Im Zentrum des Buches steht die Ungleichheit der Bildungschancen im Hochschulbereich. Insbesondere die soziale Herkunft (gleichbedeutend auch Geschlecht und Alter) der Studierenden entscheidet – so der nicht nur historische, sondern auch heute noch weitgehend gültige Befund – darüber, wer überhaupt an der Hochschule vertreten ist, aber auch, welche Fächer gewählt werden und wie lange ein Studium dauert. Ungleichheit entsteht dabei nicht allein durch ökonomische Unterschiede. Bourdieu und Passeron konzentrieren sich vielmehr auf die kulturellen Barrieren für untere soziale Schichten, die in unterschiedlichen Haltungen und Fertigkeiten der Studierenden ihren Ausdruck finden. Soziale Privilegien des kulturellen Erbes werden dabei ohne ausdrückliches Handeln weitergegeben, sondern vielmehr „fast wie durch Osmose, angeeignet“ (32). Gesellschaftliche Begünstigungen oder Benachteiligungen potenzieren sich schließlich im Lebensverlauf. Zudem wird eindringlich beschrieben, dass Studierende keine einheitliche, unabhängige und festgefügte soziale Gruppe sind. Charakteristisch für das Studierendenmilieu ist aus Sicht der Autoren vielmehr die Gleichartigkeit des universitären Alltags. Nicht zuletzt wird auf die „Mystifikation“ des Studiums verwiesen, die dem modernen Typus eines rationalen studentischen Verhaltens keineswegs entspricht. Gerade vor dem Hintergrund der Bildungsungleichheit wäre laut Bourdieu und Passeron eine Rationalisierung pädagogischer Einrichtungen und Verfahren – und letztlich auch deren Demokratisierung – dringend geboten.
Rainer Benthin (RB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Soziologie, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.612.242.2635.42 Empfohlene Zitierweise: Rainer Benthin, Rezension zu: Pierre Bourdieu / Jean-Claude Passeron: Die Erben. Konstanz: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27511-die-erben_32266, veröffentlicht am 01.04.2008. Buch-Nr.: 32266 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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